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Johann Georg Hamann → Johann Christoph Ruprecht
1754–1756
ZH I, 222


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GeEhrtester Freund,

Ist die gestrige Abendluft Ihnen gut bekommen? Ich hoffe eine mündliche
Antwort darauf heute zu hören; da mir des HE. Generalen Excellence
aufgetragen haben Sie hieher zu bitten, weil er was nöthiges zu sprechen hätte.
Ich sagte zwar, daß ich Sie heute vermuthete; er erinnerte mich aber Sie in
Ansehung seines eigenen Verlangens noch einmal begrüßen zu laßen.
Meine Gedanken dienen zu nichts als der Seltenheit wegen beygelegt zu
werden. Der Uebersetzer gehört unter die unwissendensten v.
unverschämtesten Schriftsteller, die sich jemals haben einfallen laßen der Vernunfft zum
Trotz ihre Cruditäten bekannt zu machen. Sie werden es daher bloß in
dieser Absicht aufheben v es sich nicht leyd thun laßen, daß ich es ein wenig
beschmiert habe. Es wird Ihnen nicht viel daran gelegen seyn die
Verbesserungen des Tex zu lesen. Es sind noch viele grobe übrig geblieben v. dasie
ganze Buch Uebersetzung ist ein Stall Augias. Ich werde mir einiger Dinge
wegen den Zedel wieder ausbitten, der beyliegt. Lesen Sie wenigstens auf
desr letzten Seite v suchen Sie meine Bitte in Ansehung des Rienzi durch
Dero GeEhrtesten Papa historische Bibliothec oder mündl. Nachricht zu stillen.
Ich erwarte Sie also v bin nach Anwünschung einer geseegneten Mahlzeit
v meinem ergebensten Empfehl an dero GeEhrteste Eltern von mir v. meinen
jungen HErrn mit aller Hochachtung Ew. HochwohlEhrwürden
Hamann.
Provenienz:
Druck ZH nach den unpublizierten Druckbogen von 1940. Original verschollen. Letzter bekannter Aufbewahrungsort: Staats- und Universitätsbibliothek Königsberg, Msc. 2552 [Roths Hamanniana], II 30.

Bisherige Drucke:
Walther Ziesemer, Unbekannte Hamannbriefe, in: Altpreußische Forschungen 18 (1941), 289.
ZH I 222–222, Nr. 102.

Zusätze ZH:
Die Briefe [Nr. 85–102], meist kleine Zettel, stammen aus den Jahren 1754–56; einige ließen sich wohl genauer datieren und in die bisherigen einreihen, es erscheint jedoch angemessener, sie geschlossen zu bringen. Es sind meist kurze Nachrichten an Ruprecht, den jungen Pastor in Grünhof, Hamanns Nachbar.