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Johann Georg Hamann → Johann Christoph Hamann (Vater)
Riga, 19. Dezember 1758
ZH I, 284



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Riga. den 8/19 Christm. 1758.

Herzlich geliebtester Vater,

Eben jetzt verläßt mich mein Bruder, welcher mit nächster Post schreiben
wird. Wir sind beyde durch Ihre letzte Zuschrift sehr erfreut worden. Gott
erhalte uns Seine Gnade, und mache uns für die sichtbaren und zeitlichen
Merkmale derselben erkenntlich; er laße diese Lockstimme seiner Wohlthaten
dazu dienen, unsern Glauben zu stärken, daß Er unser rechte Vater sey und
wir Seine rechte Kinder. Auch die Züchtigungen dieses geistlichen Vaters
mögen uns zu Nutz gereichen, auf daß wir Seine Heiligung erlangen.
Hebr. XII.
Ich bin unter Seiner Gnade diesen Sonntag zum Tisch des HErrn
gewesen, und wurde durch den Prediger, der meines Beichtvaters Stelle wegen
seiner Unpäßlichkeit vertratt, sehr aufgerichtet und getröstet. Witterung und
alle äußerliche Umstände haben sich zu diesem großen Werk beqvemen müßen,
das Gott meiner Seele wolle gedeyhen laßen! Amen!
Ich bin Gott Lob! sehr gesund und lebe so zufrieden als möglich. Zu
meinen kleinen Geschäften außerordentlichen Seegen und Beystand. Nicht
uns, Herr, nicht uns, sondern Deinem Namen gieb Ehre, um Deine
Gnade und Wahrheit. Warum sollen die Heyden sagen: Wo ist nun Ihr
Gott?
Er wird meinen lieben Bruder auch helfen, der diese Woche schon einen
blanken holländischen Dukaten von dem Vater eines Kindes bekommen,
um ihn zu seiner pflichtmäßigen Aufsicht über seinen Sohn desto mehr
aufzumuntern. Sein Eyfer und Treue im Amte möge auch hiedurch angefeuret
und geläutert werden.
Ich nehme mir nochmals die Freyheit, Sie an die Besorgung des
versprochenen zu erinnern. Herr Wagner hat mir zu den bestellten Büchern durch den
HErrn R. Hofnung machen laßen; ich werde dafür richtig werden.
Gott laße auch die Feyer dieses Weynachtfestes an Ihnen, den Ihrigen
und uns allen geseegnet seyn, Er fülle unsern Mund mit neuen Liedern, und
laße uns mit den Engeln und Hirten ein gemeinschaftlich Chor ausmachen,
und um die Wette mit einander singen:

Er will – und kann – euch laßen nicht;
Setzt nur auf Ihn eur Zuversicht.
Es mögen euch viel fechten an,
Dem sey Trotz, ders nicht laßen kann.

Zuletzt müßt ihr doch haben Recht,
Ihr seyd nun worden Gott’s Geschlecht;
Des danket Gott in Ewigkeit
Gedultig – – frölich – – allezeit.

Dieses alte Jahr werde auch in Ihrem Hause, Herzlich Geliebtester Vater,
mit frischen Proben Seiner Wahrheit und Barmherzigkeit versiegelt. Er
gedenke derselben und helfe Seinem Diener Israel auf, wie Er geredet hat
unsern Vätern, Abraham und Seinem Saamen ewiglich.
Grüßen Sie mit den herzlichsten Wünschen Jgfr. Degnerinn und alle gute
Freunde und Bekannten. Ich ersterbe mit dem zärtlichsten Handkuß kindlicher
Ehrerbietung Ihr gehorsamst verpflichtester Sohn.
Johann George Hamann.


Auf der Adreßseite:
à Monsieur / Monsieur Hamann / Chirurgien bien renommé / à /
Coenigsberg / en Prusse. / franco Mummel./


Rotes Lacksiegel J. G. H.
Von Hamann senior vermerkt:
den 25 Dec. 1758
greg. 19.12.1758



Zuschrift nicht überliefert


















holländischen Dukaten Brief Nr. 133 (ZH I 286/26). Seit 1586 nach festem Fuß geprägte Goldmünze, nicht als regionales Zahlungsmittel gebräuchlich, sondern als Kurantmünze dafür tauschbar; eine der wichtigsten Handelsmünzen des 17. und 18. Jhs; es gab aber auch Dukaten russischer Prägung, Speziesdukaten, von denen wiederum ein best. Sorte ebenfalls »holländisch« genannt wurde.





Wagner Der Buchhändler Friedrich David Wagner







›Vom Himmel kam der Engel Schar‹ von
Martin Luther
(Evangelisches Gesangbuch 25)


























Provenienz:
Druck ZH nach den unpublizierten Druckbogen von 1940. Original verschollen. Letzter bekannter Aufbewahrungsort: Staats- und Universitätsbibliothek Königsberg, Msc. 2552 [Roths Hamanniana], I 1 (49).

Bisherige Drucke:
ZH I 284–286, Nr. 132.

Zusätze fremder Hand
286/10 Johann Christoph Hamann (Vater)