155
Johann Georg Hamann → Johann Gotthelf Lindner
Königsberg, 8. August 1759
ZH I, 386
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Königsberg. den 8 Aug. 1759.

Herzlich Geliebtester Freund,

Meinem Vater und seinen guten Freunden schmeckt Ihr Lachs recht sehr
gut. Ich habe mich kaum getraut davon zu kosten, weil ich nicht wuste, ob alle
4 Stücke vor für uns seyn sollen. Heute würden Sie Ihre Lust sehen, wenn
Sie unser Gast wären. Sie müsten aber als Freund und Zuschauer kommen,
nicht als Richter, sonst würde ich für einen großen Freßer von Ihnen
gescholten werden, wie geschrieben steht. Dafür kann ich auch Briefe schreiben
und Tischreden halten, – die so lang als Ihre Lächse sind – und auf die ein
Trunk schmeckt, wie Wagner sagt.
Womit ich Ihre Lächse verdient daßs weiß ich eben so wenig, Liebster
Freund, als was ich Ihnen wieder dafür schicken soll. Beydes mag Ihre Sorge
seyn; die ganze Welt meiner Freunde wird mich zuletzt als einen durchtriebenen
Schuldner brandmarken. Meine Schuld ist es nicht, daß sie gutherziger sind
als ich; dafür muß ich aber klüger als meine Gläubiger oder Wohltäter
seyn.
Die Hälfte hat ihre liebe Mama erhalten, weil sie von der Bestimmung des
Ueberschickten Nachricht hatte, wir nicht. Von Ihrer Lustreise nach Mitau
habe schon zur Zeit ihres dortigen Daseyns Nachricht erhalten. Zur nächsten
wünsche Ihnen Glück. Ich habe von meiner einen Husten nach Hause
gebracht, der mich und die Meinigen an meine seel. Mutter bisweilen erinnert.
Er giebt sich aber Gott Lob! und ist vermuthlich dem gar zu kalten
Springwaßer zuzuschreiben.
Lauson ist hier, und bleibt es auch vermuthlich, muß aber noch nichts
erhalten haben, er hat mir vorgestern nichts gesagt. Wegen Schultz und
Wernerin werde mich erkundigen.
Daß 2 Leute bey unsern Vater hingestürmt und ihm die geringste Unruhe
gemacht, ist nicht wahr, wenn es gl. mein leibl. Bruder sagt. Der eine ist ein
hiesiger und der junge Sanden gewesen, vermuthlich der, welcher bey Wolson
logi
rt und hat den andern hingeführt. Es thut mir leyd, daß ich den andern
nicht habe kennen lernen und daß ich sn Namen weiß. Ich habe den jungen
Holtz zu mir gebeten, weil er mir ein Compliment von Ihnen brachte; er ist
aber nicht gekommen. Der Umgang mit jungen Fremdlingen ist mir allemal
angenehm und aus Ihrer Bekanntschaft macht sich mein Alter und ich eine
Ehre. Mein Bruder druckt sich noch in Worten, geschweige in Minen, sehr
unrein und uneigentl. aus. Wenn er dergl. Fehler begeht, so bitten Sie sich
nur gl. seine eigene Erklärung darüber aus; und wenn er das nicht thun kann:
so ist es Unwißenheit, die man nicht nur entschuldigen, sondern auch zurecht
weisen muß. Er ist der älteste Sohn Ihres Hauses.
Wie schlecht w Sie mich aber theils kennen; und wie falsch Sie mich
beurtheilen, kann ich aus dieser Kleinigkeit sehen. Sollte ich Ihnen das übel
nehmen; gesetzt, daß ein Bestellter von Ihnen sich worinn versehen? Wenn Sie
völlig befriedigt seyn wollen; so laßen Sie sich die Stelle aus meinem Briefe
zeigen. Ich weiß nicht, daß Sie die geringste Spur zur Nachricht meines
Bruders oder zu Ihrer Aufnahme deßelben darinn finden werden. Uebrigens
wünschte ich, daß Ihr Glaube von meiner Freundschaft, so stark als meiner
von der Ihrigen wäre, die ich nicht als ein verzärtelt Kind ansehe, das von
jedem Winde Flüße bekommt, sondern von gesunder Constitution wie ein
Bauermädchen, das man sicher für Lust in die Backen kneifen kann, ohne, daß
sie den Krebs für Schrecken davon bekommt. – Mein Vater ist übrigens der
beste Mann, gegen Leute, mit denen er nichts mehr zu thun hat als
umzugehen; aber mit denen er leben soll, das müßen andere Krebse seyn; nach
dem Wahrsager in Krügers Träumen.
Sehen Sie, liebster Freund, die Abwartung Ihres meines Briefwechsels
als kein Gesetzwerk an. Ich bitte Sie recht sehr darum. Der Fall mit uns
beyden ist sehr ungl. Ich habe nichts zu thun v kann Ihnen ich weis nicht wie viel
hinschreiben, und Ihre Gedult es zu lesen und zu ertragen ist schon ein Opfer
der Freundschaft. Sie mögen gegen alle andern mit Ihren Antworten
pünktlich seyn; ich erlaße Sie hiemit förml. davon; und werde deswegen nicht mehr
nicht weniger schreiben, als was mir meine Muse, die Erinnerung Ihrer
Freundschaft dictirt.
Ich werde mich jetzt bloß bey einigen Puncten Ihres Briefes aufhalten,
worann mir am meisten gelegen; warum mir daran gelegen, hievon künftig.
Daß mir aber würklich daran gelegen, müßen Sie vor der Hand glauben.
Sie wißen nichts von dem Misverständniße meiner Briefe in Grünhof?
Gut. Mein Nachfolger dort hat mir jüngst geschrieben und scheint Ihnen
darinn zu wiedersprechen. Dies kann aber ein bloßer Schein seyn, wie es auch
ist. Es kostet Mühe, wenigstens für mich, seine Briefe zu verstehen. Meine
entfernte Absicht für Ihren Herrn Bruder ist nicht ganz fruchtlos gewesen.
Das nicht ganz fruchtlos kann ich aus seiner Denkungs und Schreibart sehr
gut erklären. Aber daß dieses eine entfernte Absicht von mir gewesen; hierinn
muß ich Ihnen wiedersprechen; insbesondere da Sie es noch einmal sagen:
daß Sie dieses Nebenaugenmerk meines Muthwillens damals nicht hätten
errathen können, oder so weit herholen. Sagen Sie mir um Gottes willen,
liebster Freund, wie ich mit Ihnen reden soll, und was das für eine neue
Zunge und Sprache oder Schreibart seyn soll, in der Sie mich verstehen
werden. Rede ich fein, so sind es Dinge, die man errathen oder weit herholen
müßen. Rede ich klar; so sind es Personalien, Anzüglichkeiten, Humor.
Bin ich aufrichtig und sage: das ist meine wahre Absicht gewesen; so werde
ich Lügen gestraft und man sagt mir: Nein! Das ist eine entfernte
Absicht, ein Nebenaugenmerk Deines Muthwillens gewesen. Bin ich als ein
Verführer und doch wahrhaftig; so ärgert man sich an meinem Muthwillen,
Unlauterkeit, Heftigkeit, und Schlangengestalt. Wenn Sie Richter über
mich wären oder im stande wären es zu seyn; so würde der Teufel den Freund
und Zuschauer bald holen.
Dieses NebenAugenmerk meines Muthwillens haben Sie damals
nicht errathen oder so weit herholen können
. Ich muß es Ihnen hier
sagen: daß nicht ein wahres Wort von Ihnen geschrieben ist.

א Sie haben dies Nebenaugenmerk meines Muthwillens recht sehr gut
empfunden, ohne daß Sie nöthig hatten darauf als ein Räthsel zu
studieren oder es weit herholen zu dürfen hören. Warum waren Sie
damals auf meine Briefe empfindlich, bitter, lasen Sie halb mit einem
SchalksAuge, halb mit einem Auge der Freundschaft und des Geschmacks.
Warum sind das rückten Sie mir vor, daß ich mich in fremde Händel
mischte, und weißagten mir mit Frohlocken den Undank der Eltern? Sehen
Sie das Vertrauen, die Offenherzigkeit, die Unerschrockenheit, die
Verleugnung seines guten Namens und seiner Gemüthsruhe, v. d. gl. auch
für Sächelchen an, und die Pflichten eines Nachfolgers, ihn zu rathen,
ihn aufzuwecken, für Nebenaugenmerke, zu denen nichts als ein wenig
Witz und Muthwille gehört. Sie laßen gern in solchen Sächelchen jeden
ungebunden
und nach seinem Gutdünken handeln; ob einer mit
Vertrauen oder Zurückhaltung falsch oder heimtückisch mit Ihnen mir
handelt. Diese Denkungsart ist witzig und tändelnd, scheint demüthig und
grosmüthig; schickt sich aber für keinen Rector, für keinen Magister, für
keinen, der ein Freund seyn will, und es durch Opfer beweiset, für keinen
Pythagoras, der den Olympischen Spielen zusieht.
Homo sum, nil humani à me alienum puto.
Ihres Herrn Bruders Gemüthsverfaßung, damals und jetzt, seine Lage
in dem Hause
worinn ich ihn gebracht, sein künftig Glück, sein künftig
Gewißen, zu dem seine gegenwärtige Einsicht und treue eine Stuffe ist,
sind keine fremde Händel für mich. Wenn Sie dies an Ihrem leibl.
Bruder für fremde Händel ansehen, wie kann ich Ihnen meinen leibl.
Bruder und Ihren Urtheilen und unverholenen und liebreichen
Ermahnungen trauen. Gott hat mir Gnade gegeben den Götzen in seinem
Herzen anzugreifen, dem Sie nicht das Herz haben nahe zu kommen, weil
er Ihr eigener Abgott ist.

ב Ungeachtet Sie also das Räthsel selbst trafen, ohne es weit herzuholen:
so habe ich doch noch zum Ueberfluß es Ihnen selbst auf meiner Stube so
wohl als in Ihrem Hause – am Spiegel, ich weiß die Stelle noch – gethan,
und Sie darum gefleht: Thun Sie an meinem Bruder, was ich an
Ihren gethan. Sie haben mehr Recht zu meinem Bruder, als
Untergesetzten, wie ich zu Ihrem als bloßen Freunde und Nachfolger
.
Ich muste meinen Witz auf Unkosten setzen, Leuten zu nahe kommen, die
ich lange genung kenne, und ich wuste mein Schicksal so gut als Sie: das
hätten und haben Sie noch alles nicht nöthig bey meinen Bruder. Ich
habe ihn selbst geschrieben und wie ein Anonym ihm angefahren, um die
Freude Josephs bey seiner Wiedererkennung zu schmecken.

Der Name eines Christen ist ein Name, den niemand kennt, als der ihn
empfähet. Die den Gerechten haßen werden schuld haben. Der Herr erlöset
die Seele Seiner Knechte, und alle, die auf ihn trauen, werden keine Schuld
haben
.
Mit Ihrem Schreiben an Ihren gewesenen Zuhörer sind Sie meiner letzten
Erinnerung schon zuvorgekommen. Er hat mir den Anfang deßelben
vorgelesen. Sind Sie nicht kühn Staatskunst mit ihm zu reden? Was denkt ein
Hannibal von einem Schulweisen, der die Sichel in sein Feld schickte.
Ich laß mich nicht durch Namen so wenig als durch Wörter hintergehen.
Meine Menschen sind nicht helfenbeinern; sie müsten mich den für einen
Elephanten
selbst schelten. Nicht Cadauera, nicht Klötzer nicht todte Bäume
– sie fühlen und schreyen Gott Lob und überführen mich, daß ich sie nicht von
fern ausspeculire, sondern sie mit meinem Dolch so gut als Bogen treffe.
Gott ist in den Schwachen mächtig; das sind aber keine schwache Leute, die
ihre Nächsten so leblos beurtheilen, und an statt Hirten lebendiger Lämmer
sich anzusehen, sich für Pigmalions halten, für große Bildhauer, deren
liebreiches Herz den Othem des Lebens ihnen mittheilen wird, si Diis placet.
Treue ist da, ich sage Nein und leugne rund aus, daß sie so wenig im
tummeln und herumschmeißen, noch laßen Händen und schlaffen Knien besteht.
Was sie Treue nennen, ist vor für mich ein unbekanntes Wort, ein ens
ihrer Vernunft und guten Herzens. Wo Treue ist; da hört nicht nur eine
gewiße, sondern auch alle Läßigkeit, Schlendrian und Vergeßenheit auf.
Der Geist der Wahrheit erinnert uns an alles.
Ein Fonds von Misanthropie und ein steifes Wesen kann nicht gut
seyn bey einem Schulmann, besonders bey einem öffentl. Ein Menschenfeind
und Freund dieser Welt
ist beydes ein Feind Gottes.
Ich lache Sie dafür aus, daß Sie ihm mehr Beqvemlichkeit einräumen, als
Sie selbst haben; oder ich glaube Ihnen auch nicht. Du sollst Deinen Nächsten
lieben als Dich selbst. Ein Gemisch von Bathos und Schwulst ist nicht
die erhabene Moral unsers Fürsprechers.
Sie verderben ihn durch Ihre Gefälligkeit; laßen Sie ihn selbst für sein
Examen und meine Grammatic sorgen. Wir müßen nicht in allem dienen,
sondern das als unnütze Knechte thun, was uns befohlen ist.
Durch den Diebstal kleiner nöthigen Ausgaben, sich die Strafe größerer
zuziehen, heist in ihrer Sprache eine zu gekünstelte Sparsamkeit; bey mir eine
tumme und nachtheilige.
Daß unsere Urtheile nicht übereinkommen; ist sehr gut und daran kehre ich
mich nicht. Ich prophezeye ihnen aber, daß Sie am Ende uns. Briefwechsels
und unserer Reyse übereinkommen werden.
Stark und schön ist alles, was ich bey einem Gedichte fordere und ein
solches nenne ich ein Meisterstück. Die Uebersetzungen der Psalmen mögen
sehr edel seyn; sie kommen mir aber nicht genau genung vor, und ich sehe
mehr bey einer Uebersetzung auf das letztere denn auf das erstere.
Die hinterlaßene Schriften der Meta sind ein sehr philosophisch Werk,
das nicht für die Welt geschrieben, und dafür sie desto mehr danken sollte,
daß es ihr mitgetheilt wird, weil dergl. Arbeiten die seltensten und
originalsten sind. Nußknicker und galanthommes sind nicht das Klopstocksche
Publicum. In seiner Sprache heist Nußknicker ein Richter und galanthomme ein
Kenner.
Diese Woche ist ein Pack an Sie abgegangen. Von Forstmann habe etwas
mitgeschickt. Wenn er Ihnen nicht gefällt: so könnte ihn HE Bruder in
Grünhof behalten. Seine Nachrichten für Sünder sind nicht mehr hier.
Ich soll mich HE B. in Frieden nähern? Was Friede, ruffe ich Ihnen noch
zu guter letzt mit dem rasenden Jesu zu. Ich bin so ein guter Patriot als Urias.
Damons Bürgschaft, ein Gesprächspiel in einer berlinischen Schule oder
Kindergesellschaft habe Ihnen beygelegt. Es übertrift Rachis; weil der Innhalt
von einer Chimäre handelt, dergl. wir lieber lesen als spielen mögen; eine
pythagorische Freundschaft. Ihr Exemplar ist einem Narren in die Hände
gefallen, der Wände und Thüren so gerne bemahlt als ein Nußknicker v.
galanthomme Fensterscheiben. Alle Zeigefinger des Griffels laßen sich sehr
leicht mit ein wenig Waitzenbrodt auslöschen. Herzl. Dank und Gruß von
meinem Alten. Ich küße Ihre liebe Frau. à Dieu.





Freund und Zuschauer Brief Nr. 155 (ZH I 388/16)

Freßer Mt 11,19













von meiner Reise nach Trutenau, vgl. Brief Nr. 151 (ZH I 363/6) und Brief Nr. 156 (ZH I 391/17)



Springwaßer Quellwasser






Sanden nicht ermittelt













Bestellter der etwas ausrichtet, weitererzählt








Krebs so schamrot




Abwartung Pflege, Besorgung











Briefe in Grünhof, mit denen H. sich in die Erziehung der jungen Barone v. Witten eingemischt hatte, nachdem
Gottlob Immanuel Lindner
Hs. Nachfolger als Hofmeister dort geworden war; Brief 113115, 118, 120, 121, 124127, 129.

geschrieben nicht überliefert


















Freund und Zuschauer Brief Nr. 155 (ZH I 386/9)



(siehe unten: J.G. Lindners Anm. in »Zusätze ZH«)



א hebräisches Aleph

















Cic. Tusc.
5,9, vgl. Brief Nr. 152 (ZH I 368/19); (siehe unten: J.G. Lindners Anm. in »Zusätze ZH«)

aus
Ter. Heaut.
77; auch
Cic. de fin.
3,63;
Sen. epist.
95,54: »Ich bin ein Mensch, nichts Menschliches ist mir fremd«, vgl. Brief Nr. 71 (ZH I 175/37); in
Hamann, Beylage zu Dangeuil
(N IV S. 229/12, ED S. 367) so übers.: »Ich bin ein Mensch und ziehe mir alle menschlichen Zufälle wie meine eigenen zu Herzen.«







Götzen Hes 14,7


(siehe unten: J.G. Lindners Anm. in »Zusätze ZH«)


ב hebräisches Beth










(siehe unten: J.G. Lindners Anm. in »Zusätze ZH«)






Zuhörer Ein Schüler J. G. Lindners aus Riga – oder einer, der vor 1755 dessen Vorlesungen über Rhetorik in Königsberg gehört hat; in Brief Nr. 152 (ZH I 372/24) meint H. damit sich selbst.



(siehe unten: J.G. Lindners Anm. in »Zusätze ZH«)
Sichel ... Mk 4,29



Cadauera Kadaver
Klötzer von Ästen befreiter Baumstamm, vgl.
Hamann, Sokratische Denkwürdigkeiten
, N II S. 66/29, ED S. 30





Pigmalions vgl.
Hamann, Sokratische Denkwürdigkeiten
, N II S. 62/16, ED S. 18

(siehe unten: J.G. Lindners Anm. in »Zusätze ZH«)


laßen müden




(siehe unten: J.G. Lindners Anm. in »Zusätze ZH«)






Bathos griech. βάθος, Tiefe







(siehe unten: J.G. Lindners Anm. in »Zusätze ZH«)





vll. die von
Johann Andreas Cramer
, deren 2. Teil 1759 erschien.












Was Friede ... 2 Kön 9,22

Jesu Hier ist wohl Jehu gemeint. Vmtl. Lesefehler in ZH, s. unten: Textkritische Anmerkungen.









Provenienz:
Druck ZH nach den unpublizierten Druckbogen von 1940. Original verschollen. Letzter bekannter Aufbewahrungsort: Staats- und Universitätsbibliothek Königsberg, Msc. 2552 [Roths Hamanniana], I 2 (41).

Bisherige Drucke:
Friedrich Roth (Hg.): Hamann’s Schriften. 8 Bde. Berlin, Leipzig 1821–1843, I 459–466.
ZH I 386–391, Nr. 155.

Zusätze ZH:
ZH I 388/19: Hierzu bemerkt Lindner auf Hamanns Brief:
Ich hatte ihr zänkisch humeur bedenken sollen, das reibt sich an allem. Sie wollen sich nicht an Wörter binden. Errath ich: auf wirkl. Unterricht der Kinder.
ZH I 389/2: Lindner schreibt an den Rand von Hamanns Brief:
Not. der Freiheit näml. an den jungen A zu schreiben sollte Gesez seyn an s. Bruder zu rächen. Wer dachte dies? 1) Resp. fratris mei merkte es, nicht sui. 2) Ich merkte Stolz, richterisch Ansehen ohne Sanftmuth. 3) Witz u. Witz ist verschieden. Jeder mit s. Gabe. Hatten sie deutsch reden wollen, so schreiben sie gerad u. nicht mit Schwung u. Funken. 4) Ich sehe auf das (?) Gewissen ist s. Art zu studiren. Im ersten sind wir eins. Im andern ist Neckerey, superioritaet u. fremde Händelsucht eines unruhigen Kopfes der s. Nachbar immer aufschreit Feuer Feuer, ohne daß es brennt oder er löschen soll.
ZH I 389/12: Lindners Bemerkung dazu:
Das waren nicht fremde Händel, das habe nicht gesagt. Rath an Freunde, aber Hofmeister über andre. Dies ist der? eines unerträglichen Aristarchs.
Man darf mit Liebhabern nicht säuberl. verkehren, wenn es Abscheu ist. Der David wollt es doch, wegen Folgen.
ZH I 389/23: Lindner bemerkt dazu:
das habe auch verstanden u thue es aus christlicher Liebe nicht mit Poltern u. Ausfahren u. Schnauben. Vergälte alles zu sagen. ? sich über Kinder lustig zu machen das erbittert. Wenn ich so thäte, so entfernte das Gemüth u. machte es kaltsinnig.
ZH I 389/31: Lindner bemerkt:
NB. Es sind nur Nebenzufälle, ich rede nicht Stundenlang oder laufe (?) … die Wälder der Staatsk. durch u. thue nichts. Er wird es nicht übel nehmen.
ZH I 390/4: Lindner schreibt dazu:
Ein Hirte ist liebreicher Boni past. est pp. Mordstiche fühlt man. Ich rede von Umg. mit Menschen überh. und der Klugheit die ein Lehrer kann.
ZH I 390/10: Lindner dazu:
Resp. Homo sum pp. Treue ist da. Schwacher Glaube ist arm, im Glaube dazu muß man alt werden im Wissen (?). Darum stehts se. Schulen.
ZH I 390/23: Lindner dazu:
Künste lernen werden nachtheilig.

Textkritische Anmerkungen:
Der Brieftext wurde anhand der überlieferten Quellen (vgl. Provenienz) kritisch geprüft. Notwendige Korrekturen gegenüber dem in ZH gedruckten Text wurden vorgenommen und sind vollständig annotiert. Die in den beiden Auflagen von ZH angehängten Korrekturvorschläge werden vollständig aufgelistet, werden aber nur dann im Text realisiert, sofern diese anhand überlieferter Quellen verifiziert werden konnten.
386/34 Namen weiß
Korrekturvorschlag ZH 1. Aufl. (1955): lies Namen [nicht] weiß  Korrekturvorschlag ZH 2. Aufl. (1988): Namen [nicht] weiß
390/2 statt Hirten
Korrekturvorschlag ZH 1. Aufl. (1955): lies statt [für] Hirten  Korrekturvorschlag ZH 2. Aufl. (1988): statt [für] Hirten
391/4 rasenden Jesu
Korrekturvorschlag ZH 1. Aufl. (1955): lies Jehu  Korrekturvorschlag ZH 2. Aufl. (1988): rasenden Jehu