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Johann Georg Hamann → Johann Christoph Hamann (Vater), Maria Magdalena Hamann (Mutter)
Riga, Ende Juni 1753?
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ZH I, 58


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Herzlich geliebteste Eltern,

Ich habe Johannis Fest auf dem Garten eines guten Freundes gefeyret, in
deßen Hause ich schon viele Höflichkeiten unverdient genoßen, v auch noch
heute mit vieler Güte überschüttet worden bin. Es trift sich eben der Zufall,
daß Herr Richter, ein Herr Stiefsohn des Herrn Barbers, der mein unser
gütiger Wirth ist, Abschied nehmen gekommen, um nach Wien zu gehen. Herr
Belger hatte den geschwinden Einfall mich an meine Eltern ein klein
Empfehlungs Schreiben dieses guten Freundes anzubefehlen. Ich erachte mich daher
für verpflichtet, meine liebste Eltern in möglichster Eil auf das inständigste zu
ersuchen, gegenwärtigen guten Freund auf das beste v so gut wie es Ihnen
möglich ist aufzunehmen. Da ich nicht im stande bin die Erkenntlichkeit, die
ich mich diesem Hause schuldig zu seyn erkenne, selbst auszuüben; so werde ich
es meinen lieben Eltern überlaßen es an meiner Stelle zu thun. Ich umarme
Sie 1000 mal v bin Ihr gehorsamster Sohn
Joh George Hamann.


à Monsieur Monsieur Hamann Chirurgien bien renommé à
Cönigsberg. par faveur,
In der heiligen Geist Gaße.

Johannis 24. Juni



Barbers nicht ermittelt
Richter nicht ermittelt














Provenienz:
Druck ZH nach den unpublizierten Druckbogen von 1940. Original verschollen. Letzter bekannter Aufbewahrungsort: Staats- und Universitätsbibliothek Königsberg, Msc. 2552 [Roths Hamanniana], I 1 (5).

Bisherige Drucke:
ZH I 58, Nr. 20.