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Königsberg, 7. Mai 1762   ZH II 149   Orig    geprüft    Komm  
Johann Georg Hamann  →  Johann Gotthelf Lindner
S. 149 / 26



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Königsberg, den 7 May 1762.

Geliebtester Freund,
Der Plan von Karschen Gedichten, sagt Wagner, ist schon abgegangen.
Von Formeys Quinteßenz weiß nichts; machen Sie es lieber ein für allemal
ab, was daß ich vorher gesehen habe mag. Was ich sende, davon bin
immer gewohnt das vornehmste zu melden. Ein paar Kleinigkeiten von
Sticoti, und Kochs ältesten Glauben habe letzt für Sie ausgesucht.
Hermes Ode an Cyrus nebst dem Schreiben des Friedens sind letzt vergeßen
worden, sollen mit nächsten beygelegt werden – Anmerkungen zum Gebrauch
der Kunstrichter werden mit erster Post erwartet, und schon annotirt; müßen
zum beßeren Verstande des beyliegenden vorausgesetzt werden.
Wegen des lettischen Wortes ist mir lieb, daß Sie gewiß sind. Weiter geht
mich diese Kleinigkeit nichts an. Das Mst von Ihren Zusätzen habe erhalten.
Dies Werk selbst durchzusehen; dazu fehlt es mir an Zeit. Die Correctur
denke noch zu bestreiten, und will herzlich gern übernehmen. Die lateinische
Schreibart wird vielleicht weg bleiben können, und Namen deutsch geschrieben
werden müßen. Canonisch, kanonisch. Apocryphisch mit k. Die Papistische oder
katholisch soll nicht: römisch dazu kommen? Ist die Ordnung nicht beßer, daß
heidnische zuerst, jüdische darauf und türkische (ob dieser Name recht ist,
weiß nicht) zuletzt folgt. Ob die Griechische unter den Kirchen nicht oben an
stehen soll könnte, aus eigentl. politischen v historischen Ursachen weiß nicht.
Ob man Kindern nicht die Ursache sagen kann, warum man Testament durch
Bund giebt. Ob der Begrif von Eingebung nicht zu hoch ist, der kanonische
v apokryphische zu unterscheiden. Bey der Etymologie der Worts zu bleiben
wäre leichter und richtiger, daß die jüdische und christliche Kirche zum Kanon
sie angenommen hat; die übrigen aber nicht dafür erkennt. Ich werde nichts
ändern, wenn also Nachläßigkeiten in der Schreibart bleiben sollten,
Flecken: so bitt ich zum voraus um AbsolutionMuthwillige werde nicht
begehen; sondern lieber den Druck aufhalten, biß ich Nachricht darüber einholen
kann, weil es nicht eilfertig seyn darf. Schmeichler, haben Sie corrigirt
schmaücheln, soll schmäucheln heißen?
Die Eintheilung in grobe und subtile Abgötterey würde ich als eine bloße
Menschensatzung und Schuldistinction auslaßen, weil in Ansehung Gottes
alles Groß und alles Nichts ist; und durch diesen Unterscheid das Gebot seine
Kraft verliert, oder der Nachdruck immer auf das subtile fallen sollte, weil
Gott ein Geist, ein subtiles Wesen ist; und unser Gesetzgeber eine grobe
Ehebrecherinn loß sprach, hingegen das Liebäugeln zum wirkl. Ehebruch auslegte.
Sprüche hab ich nicht nachschlagen können; aber die Anführung einiger
Exempel ist mir schwer vorgekommen. Ärtzte beym fünften Geboth und
Priester beym eben demselben zu unterstreichen, heist mit Fingern zeigen.
Im 5ten Geboth wird David als ein Halter des Gesetzes, im 6.ten als ein
Uebertreter angeführt, oder als ein Mann der seine Feinde und die Bathseba
liebte.
Einen keuschen Jüngling haben Sie in den kanonischen Büchern noch
finden können, aber eine keusche Frau war nirgens als in den
apokryphischen. So gieng es Salomo auch – –
Der Unterscheid von bewegl. und unbeweglichen Gütern ist für Kinder
zu gelehrt und aus dem Codex. Abspannen für abspenstig machen oder
Ablocken, nicht beqveme Ausdrücke für Katechismusschüler. Herodes spannte
seines Bruders Weib ab. Ein gar zu sinnlicher Tropus. 2. Abdringen oder
abpochen. 3. Abwendig machen tavtologisch. Vis et dolus ist schon in den ersten
enthalten, und das letzte soll vermuthl. eine vermischte Art von beyden seyn.
So weit ich gelesen, wünschte ich liebster Freund, daß den Kinder ihr
Gedächtnis mehr mit den gewöhnl. Kunstwörtern der Stände pp verschont oder
die Begriffe davon beßer aufgeklärt, und ihnen erleichtert würden. Da jedes
Kind seine Bibel in der Hand hat; so könte auch die Anführung der Bücher
eben so beqvem daraus gelernt werden. Und mit Erlernung der Titel die
Institutiones anzufangen, benimmt vielen die Lust ihren Innhalt einzusehen.
– – Ob Kinder viel oder wenig Antworten können, daran ist nicht so viel
gelegen, als daß Sie die einzige Frage verstehen: Wer bist du?
Sagen Sie liebster Freund! ist mir nicht der Schnabel recht zum
Kunstrichter gewachsen? Wie wenig kennen Sie mich, wenn ich für das erschrecken
soll, was Sie mir noch bisher über meine Iuuenilia zu verstehen gegeben
haben. Das ist noch alles Kinderspiel in Vergleichung desjenigen, was ich mir
selbst in finstern Stunden vorpredige.
Ich dringe darauf, daß Sie biß auf den letzten Tropfen ihr Urtheil
abzapfen, damit ich die Nagelprobe so rein machen kann, wie man Treue und
Glauben an den Alten unsern lieben Vorfahren lobt – Aber sehen Sie
doch den Pan, das allerliebste Gesicht recht an, und vergleichen Sie auf der
Goldwaage Zug für Zug: ob er nicht nach dem Leben getroffen. Ja, werden
Sie sagen, c’est le Pere tout craché – Nun, was wollen Sie mehr? die Rede
war ja von Nachahmen: so hab ich also gewonnen, und der Preiß gehört mir,
nach dem selbeigenen Urtheil meiner Feinde.
Ein französisches Exercitium war in dieser Sammlung nicht nöthig; was
Sie mir anführen, erkenne ich gar nicht für meine Arbeit und werde es auch
niemals dafür erkennen. Aber das mosaische Exercitium kommt gewiß vom
Philologen, der die Kreuzzüge geschrieben hat, und ist es nicht französisch?
Nun, was wollen Sie mehr.
Gleichwie der Magnet sich nach dem Nordstern richtet, und das Eisen an
sich zieht: also der Staatsmann nach dem Herrn, und zieht das Volk an;
also der Kunstrichter nach dem Autor, und zieht erst den Staub der Feile,
allmählich ein Gewicht von Lesern an sich v. s. w.
Daß ich immer einerley schreibe und die Penelope zu meinem loco
communi
mache, verdrüst s mich gar nicht, und der kluge Leser merkt den
Unterschied zwischen einerley und einerley. –
Weil ich der Mutter einen kleinen Streich zugedacht hatte, der ihr durch ein
klein Beyspiel an einem ihrer grösten Söhne am sinnlichsten seyn würde:
so vergeben Sie mir die kleine Bosheit, die ohnedem so zweydeutig ist, daß
ich sie im Fall der Noth immer auf mich selbst nehmen würde. Sie haben
sich aber bey dieser Kleinigkeit einen so sarkastischen Hieb erlaubt, den ich
nicht abschreiben, sondern vergeßen will.
Die aliena cornua fronti addita sind nichts als die Larve des Keiths, die
der kleine Geck von Näscher sich unterstanden hat anzurühren. Und wenn er
mir fragen wollte: wie er in dieser Löwenhaut aussähe? so würde ich ihm
aus der Fabel antworten. Die Juden eyfern um ihre Religion, aber mit
Unverstand; doch der Kunstrichter schläft nicht, der das Verborgene ans
Licht bringen und den Rath der Herzen offenbaren wird.
Ungeachtet meiner Aufmerksamkeit auf den Spruch LXXIII. ist ein X zu
viel eingeschlichen. – Die hellenistische Briefe sind nichts als Füllsteine.
Sie schreiben mir ein Geheimnis von einem gewißen Menschen, der einmal
etwas gelesen, und sein Urtheil sagte: „daß er nicht wiße, wo der Autor
oder der Leser zu Hause gehöre.“ Wollen Sie so gut seyn, und mir seine
Wohnung sagen; meine addresse soll ihm gleich zu Dienst stehen. Wenn er
kein Geograph ist, so wird er vermuthlich auch nicht wißen, in welcher
Hauptstadt der bewohnten Welt Bedlam und Tyburn-Road zu suchen sind. Ist
dieser Unbekannte ein Sprachmeister, der Kindern eine reine Ausrede
beybringen kann; so will ich der erste seyn, der seine Collegia besuchen will.
Wenn er das besitzt, das ich suche; so bitten Sie ihn daß er ein Werk der
Barmherzigkeit thut und mir zu Gefallen eine Kinderlehre schreibt. Sie
sagen, daß Sie Liebster Freund, mir im Vertrauen schreiben; können Sie
mir nicht seinen Namen im Vertrauen melden? Schämen Sie sich nicht, ihn
zu bekennen; wenn ich nicht argwohnen soll, daß Sie ihn mehr lieben als
mich, und meine Eyfersucht in puncto der Freundschaft und Vertraulichkeit
reitzen wollen. Das Waßer in der Düna geht mich jetzt weniger an, als das
Waßer im Nilstrom; – und der Pregel hat auch seine Syrinx mit einer
Wanne, die ich eben nicht beschreiben mag, aber zum Bade des Pans recht
gemacht ist. Ohne Personalien wäre der erste Tag im Monath May mir nicht
der glücklichste in diesem Jahr gewesen. Darinn bestehen eben meine
Autor-Realien, und die Jungferschaft meines Publici.
Auf die Verbeßerung der Gedichte habe mehr Zeit gewandt, als sie
vielleicht lohnen. In Freundschaft scheinen mir beyde Sylben lang zu seyn.
In dem ersten Abdruck war folgender Dactylus am Ende: gi͞eßt he͝ut w͝ohl |
th͞äti͝g – Beym Schaudern hab ich den sanftern Fall verworfen, der Ihnen
gefallen. – de͝rnd kurz geht nicht an. Ein Gottschedianer wird diese harte
Construction nicht ohne einen kleinen Schaudern verdauen können; und
eben darum wählte sie.
In dem hinten für einen Druckfehler erklärten Vers ist gar keine Scansion

Nur | um Ver | dienst be | sorgt – | ohne Ver | suchung des | Stolzes.

Die substituirte Stelle zielt auf eine vortrefliche Anecdote in Platons
Phaedrus,
wo ich nicht irre. Da dem Sokrates die Ketten abgenommen werden,
vertreibt er sich den Schmerz durch ein sanftes Reiben, und stellt die feinsten
Betrachtungen über die Verwandschaft der Natur in den entferntesten
Dingen an, wie Lust und Unlust, Leben und Tod sind: daher freute ich mich,
als ich den Vers fand:

Zum eisernen Schmerz den Balsam philosophischen Kitzels.

Zobel oder Goldfell oder Hermelin waren die Ideen, die ich ausdrücken
wollte um das Zierlichste des Geschmacks mit dem Männlichen der Tugend
zu verbinden und zu paaren. Ob der Zobel bloß für das weibl. Geschlecht
ist, weiß nicht; hier bedeutet es einen weichlichen und zugleich reichen Putz;
der eine männlich feste Brust deckt, wie das Schaafsfell die reißende Wölfe.
Unsere jetzige Landesverbindungen brachten mich auf das Bild des Zobels,
unter dem der Leser nichts mehr denken darf als eine Art des köstliche
Art
des Schmuckes, der aus Norden gebracht wird.
Warum red ich vom Gelehrten Schwärmen; wenn ich nicht einmal
dromedarische Sehnsucht sagen darf? Wenn ich nicht ein haarbreit weiter gehen
soll, als andere Zunftsbrüder; warum bin ich Autor worden? Wenn man
alles sagt; so hat der Leser nichts zu thun. Wenn man alles recht schreiben
sollte; wovon soll denn der Kunstrichter leben?
Der Muse des Philologen ist ihre Niederkunft mit einem kabbalistischen
Knäblein so sauer worden, daß sie einer hebräischen Wehemutter, ich weiß
nicht was, für Gelübde that – und doch treibt sie das ärger Spiel ärger
als vorhin. Kaum daß die Tage der Reinigung verfloßen sind; so legt ein
pet à vingt ongles ein abermaliges Zeugnis ab, das ihren Namen nicht
wohlriechend machen wird. Weil geschehene Dinge nicht zu ändern sind; so
muß man die Welt reden laßen, und keine Zeit versäumen, das glühende
Eisen zu schmieden.
Vielleicht kann ich noch zum zweyten mal mir den Ausspruch jenes
Griechen zueignen, der gesagt haben soll: Nisi periissemus, periissemus. Die
sicherste Art sein Leben zu erhalten besteht oft darinn, daß man es nicht achtet,
sondern freywillig in die Schanze schlägt.
Fahren Sie also nur, Geliebtester Freund, getrost mit Ihrer Kritik fort;
schonen Sie nicht – ich ersuche Sie darum. Ich wünsche das Ende davon zu
sehen. Was Sie bisher gesagt haben, ist blos ein Praeludium. Erst will ich
Sie ausreden laßen, ehe ich mich in eine förmliche Vertheidigung gegen Ihre
HauptAnklagen einlaßen mag.
Mit meinen gewöhnl. Arbeiten habe wieder Gott Lob! einen glückl.
Anfang gemacht, wiewol das Arabische diese Woche brach gelegen. Mit Platons
Gesprächen de republica bin ich im 4 Buch, die ich nicht genug zu schmecken
weiß; wie gut ich sie genutzt habe, sehen Sie selbst. Weiter bin ich nicht
gekommen. Es lebt alles in diesem Buch für mich; und ich thu fast nichts
mehr als unterstreichen. Des grösten Meisters in der Kriegskunst Anweisung
habe fast mit weinenden Augen gelesen – das ist ein practisch Buch für jeden
Liebhaber. Mit der allgemeinen Reisebeschreibung bin fertig; sie ist ein deutsch
Original, ohne Plan; und zieml. entbehrl. für einen der die allgemeine
Weltgeschichte hat. Das von Exiles übersetzte Werk ist mir bekannt und ganz
verschieden.
Burschers Auslegung über den Jeremias, die ich jetzt lese, ist ein sehr
mager und seichtes Buch für mich. Es thut mir leyd Ihnen daßelbe angewiesen
zu haben. Ich finde fast nichts darinn – – Was soll ich von Crusius halten?
Bey Lindhammers, (eines Cansteinischen Amanuensis) Erklärung und
Anwendung der Apostelgeschichte wird mir auch die Zeit zieml. lang. Es ist ein
Foliant, in dem ich nicht aus der Stelle kommen kann. Mehr Treue als
Fähigkeit; daher ich ihn auszuhalten gedenke. Hie und da find ich daß ich
ihn ausgeschrieben habe, ehe ich ihn kennen gelernt. So böse, wie Donat, bin
ich aber nicht, der alles Unglück den Alten wünschte, die uns das Wort aus
dem Munde nehmen. Ich glaube, es war Donat, der über bey einer Stelle
des Terenz fluchte; daß man nichts Neues sagen könnte, was nicht einer der
Alten schon im Sinn gehabt hätte.
Für Popowitsch danke nochmals; ich habe ihn aber bisher bloß ansehen
können. Die Alzaide gelesen, die auch von Sticoti scheint übersetzt zu seyn,
oder nachgeahmt aus dem engl. Sein Jean Jacques behält kein gut Haar
in seinem Bart – la nouvelle Heloise ne touchera jamais mon cœur
meprisable que de l’indignation qu’on eprouve à la vue d’une
dévergordée,
prude et non philosophe, couverte d’oripeau, paitrie de mensonges et de
contorsions et qui met, comme dit Mr. de Voltaire, le vice en action, et la
vertu en parole.
So drückt er sich in einem kleinen Discours, der nicht viel
werth ist, den Littleton auch mitnimmt und wenig Kenntnis in der engl.
Literatur verräth, worinn er sich eine Stärke zutraut, weil er kürzl. aus
Engl. zurückkam. Das letzte Wort dieser kleinen Abhandl. ist: Ah! Jean
Jaques!

Er entschuldigt die Verachtung, womit er den Bürger zu Genf allenthalben
aufsucht mit der vehemence, die man der Wahrheit schuldig ist, mit der
raison animée des St Evremond und den Sarcasmes des devoten Pascal.
Mit Beschuldigungen und Entschuldigungen kann man bald fertig werden.
Thorus und Schule macht Philosophen und Weltbürger. Für das bon mot
dank ich Ihnen; es scheint mir wahrscheinl. zu seyn. Gott gebe Ihnen alles
Gute, liebster Freund! Vielleicht sehen wir uns noch einmal, zufrieden und
trunken, säbeln Gläser und singen Theodiceen – Umarmen Sie Ihre liebe
Frau; ich verbleibe nach den herzlichsten Grüßen meines alten Vaters Ihr
treuer Freund und Diener
Hamann.


Ist ihnen mit des HE. Beaumont Perücken Magazin gedient; so melden
Sie sich. Die Figuren verdienen diese Kleinigkeit; die zur Bildung deutscher
Köpfe geschrieben ist.
Ein kleiner Kalender von 58. für HE Lauson; auch ein herzl. Gruß von
HE Wolson.
Der Brief an Daubl. ist bestellt.


Plan von Karschen Gedichten
Karsch, Sammlungs-Plan

Formeys Quinteßenz welche Schrift von
Jean Henri Samuel Formey
, nicht ermittelt; vll. die 1762 erschienenen Grundsätze der Sittenlehre.



Kochs ältesten Glauben
Koch, Der allerälteste Glaube




des beyliegenden Die Formulierung legt nahe, dass Hamann Lindner zusammen mit vorliegendem Brief einen Entwurf seiner eigenen Schrift Schriftsteller und Kunstrichter zukommen lässt.

lettischen Wortes Vgl. HKB 226 ( II 147/3 )

Mst von Ihren Zusätzen Vll. handelt es sich um ein Manuskript von Lindners »Zusätze zum ersten Theile des Rigischen Katechismus«.























Gott ein Geist Joh 4,23
grobe Ehebrecherinn Joh 8,3ff.

das Liebäugeln 2 Mo 20,17



mit Fingern zeigen Jes 58,9

5ten Geboth Du sollst nicht töten. David schickt Urija in den Krieg.
6.ten Du sollst nicht ehebrechen. David begeht Ehebruch mit Batseba.



keuschen Jüngling Joseph, vgl. 1 Mos 39,7

keusche Frau Vermutlich ist die Protagonistin des gleichnamigen Buches Susanna gemeint, vgl. ZusDan 1,22f.

Salomo Pred 7,27ff.



Herodes … Vgl. Mk 6


Vis et dolus Gewalt und Vorsatz


















Pan Griechischer Gott, Vorsteher der Nymphen. Abgedruckt auf dem Frontispiz sowohl in den Kreuzzügen als auch den Essais à la Mosaique.


c’est le Pere … Wörtl. etwa: das ist der Vater, ganz ausgespuckt.



französisches Exercitium Lindner meinte vielleicht, dass den Kreuzzügen ein französischer Text noch hätte beigefügt werden können, etwas wie das Lateinische Exercitium, das den frühen, gescheiterten Versuch Hamanns zu akademischer Ausbildung repräsentiert.


das mosaische Exercitium Gemeint ist vmtl.
Hamann, Essais à la Mosaique
.







einerley Phil 3,1



kleinen Streich Angespielt ist wohl auf den Untertitel des Lateinischen Exercitiums, in den Kreuzzügen, N II S. 219, ED S. 221: »dem eiteln Wandel nach Väterlicher Weise gemäß, öffentlich aufgeführt worden von einem verlornen Sohne U.[nsrer] L.[ieben] F.[rau] Albertine«, womit die der Alma mater Königsberg gemeint ist; dazu gehört auch Zitat aus Hor. carm. 1,1 auf der zweiten Seite: »me gelidum nemus Nympharumque leues cum Satyris chori Secernunt populo« – »mich sondert der kühle Wald / ab vom Volke und leicht schwebender Nymphenchor / mit Satyrn gepaart«.






aliena cornua fronti addita
Ov. met.
3,139f.: »das unpassende Geweih auf seine Stirn verpflanzt«. Vgl.
Hamann, Näschereyen
, N II S. 193/2, ED S. 158.

Geck von Näscher
Trescho, Näschereyen


FabelAisop. 188: »Ein Esel zog sich ein Löwenfell über und setzte überall die unvernünftigen Tiere in Angst und Schrecken. Als er dann einen Fuchs sah, versuchte er auch diesen zu erschrecken. Der Fuchs aber – er hatte nämlich zuvor seine Stimme gehört – sagte zu ihm: ›Ja, sei dir darüber im Klaren, dass auch ich dich gefürchtet hätte, wenn ich nicht dein unverschämtes Geschrei gehört hätte.‹«



Spruch LXXIII. Vgl.
Hamann, Aesthaetica in nuce
, N II S. 204/25, ED S. 184. Dort verweist Hamann auf Ps 73,21f., gibt in der Fußnote aber irrtümlich Ps 83,21f. (»LXXXIII, 21.22«) an.







Bedlam Irrenhaus Londons, das Hamann für seine Lettres néologiques als fingierten Druckort wählte.
Tyburn-Road HKB 222 ( II 137/35 ); Richtplatz im Nordwesten Londons, den Hamann für seine Glose Philippique als fingierten Druckort wählte.









Düna Fluss, der in Riga in die Ostsee mündet.

Nilstrom Anspielung auf Moses im Kästchen, vgl. 2 Mo 2,5ff.
Pregel Fluss in der Region Königsberg, heutiges Kaliningrad.
Syrinx Arkadische Nymphe, die von Pan verfolgt wird, Gaia verwandelt sie in Schilf, Pan erfindet die Hirtenflöte durch Zusammenbinden der Schilfrohre.


der erste Tag Anspielung auf
Friedrich von Hagedorn
bzw. sein Gedicht »Der erste May«, das mit den Versen beginnt: »Der erste Tag im Monat May / Ist mir der glücklichste von allen.« In Schriftsteller und Kunstrichter spielt Hamann ebenfalls mit diesem Topos im »Mährchen vom 1. May« (N II S. 337f., ED S. 14–16).





gießt heut wohl thätig Vgl. die 2. Strophe des Gedichts »Freundschaftlicher Gesang« in
Hamann, Kreuzzüge des Philologen
(N II S. 229/1, ED S. 236): »Wohlthätige Freundschaft träufelt mir, statt Polyhymnien, heute / Gelehrtes Schwärmen ins Herz, ins Ohr harmonisches Säuseln.«

Schaudern … ebd. N II S. 229/12, ED S. 236




Druckfehler
Hamann, Kreuzzüge des Philologen
, ED S. 256. Dort wird der zitierte zweite Vers »Nur um Verdienste […] Stolzes.–« als Druckfehler markiert, an dessen Stelle zu setzen sei: »Zum eisernen Schmerz den Balsam philosophischen Kitzels.« (in N II S. 229/23 als Emendation umgesetzt).
Vers ebd. Str. 7, ED S. 238: »Die Weisheit schenket uns Freund! sokratisch-lächelnde Stirnen – / Nur um Verdienste besorgt, ohne Versuchung des Stolzes.– […]« (In N II S. 229 nicht enthalten)





Phaedrus
Plat. Phaidr.
60b–c: »Was für ein eigenes Ding, ihr Männer, ist es doch um das, was die Menschen angenehm nennen, wie wunderlich es sich verhält zu dem, was ihm entgegengesetzt zu sein scheint, dem Unangenehmen, daß nämlich beide zu gleicher Zeit zwar nie in dem Menschen sein wollen, doch aber, wenn einer dem einen nachgeht und es erlangt, er fast immer genötigt ist, auch das andere mitzunehmen, als ob sie zwei an einer Spitze zusammengeknüpft wären; und ich denke, wenn Äsopos dies bemerkt hätte, würde er eine Fabel daraus gemacht haben, daß Gott beide, da sie im Kriege begriffen sind, habe aussöhnen wollen und, weil er dies nicht gekonnt, sie an den Enden zusammengeknüpft habe, und deshalb nun, wenn jemand das eine hat, komme ihm das andere nach. So scheint es nun auch mir gegangen zu sein: weil ich von der Fessel in dem Schenkel vorher Schmerz hatte, so kommt mir nun die angenehme Empfindung hintennach.«






Zum eisernen Schmerz »Freundschaftlicher Gesang«, in: Kreuzzüge, N II S. 229/22, ED S. 238


Zobel oder Vgl. die 7. Strophe des Gedichts »Freundschaftlicher Gesang« in: Kreuzzüge, N II S. 229/25, ED S. 238: »In unserm Scherzen und Ernst, sey jugendlicher Geschmack/ Der Zobel männlichfester Brust!«





jetzige Landesverbindungen die Besetzung Preußens durch russische Truppen



Gelehrten Schwärmen Vgl. 2. Strophe des Gedichts »Freundschaftlicher Gesang« in: Kreuzzüge, N II S. 229/2, ED S. 236: »Wohlthätige Freundschaft träufelt mir, statt Polyhymnien, heute / Gelehrtes Schwärmen ins Herz, ins Ohr harmonisches Säuseln.«

dromedarische Sehnsucht Vgl. ebd., 4. Strophe, N II S. 229/10, ED S. 237: »Wie lang ermüdest Du Freund, uns? – Vom starr wartenden Auge / Gar zu leichtgläubig getäuschet, in dromedarischer Sehnsucht, / Erscheint mir Deine Gestalt – Den ersten seegnenden Gruß / Zum voraus schaudernd ich empfind!–«






Gelübde vll. auf eine Ankündigung gegenüber Mendelssohn bezogen – HKB 224 ( II 143/23 )

Tage der Reinigung3 Mo 12,1–8.

pet à vingt onglesFranzösische Redewendung; wörtlich: Furz mit 20 Nägeln; Bezeichnung für ein neugeborenes Kind.





Nisi periissemus, periissemus »Kommen wir um, so kommen wir um.« Fehlerhaftes Zitat eines in
Plut. mor.
185f.
Themistokles
zugeschriebenen Ausspruchs: »Als er viele Geschenke erhalten und schnell reich geworden war, sagte er zu seinen Kindern: ›Ihr Kinder, wir würden zu Grunde gehen, wenn wir nicht schon zu Grunde gegangen wären.‹«










de republica
Plat. rep.

ich sie genutzt habe in den beiden Schriften Schriftsteller und Kunstrichter und Leser und Kunstrichter


in der Kriegskunst Anweisung Gemeint ist
Friedrich II., Kriegs-Kunst




Exiles Welches Werk von
Antoine-François Prévost d’Exiles
hier gemeint ist, ist nicht ermittelt; vll. die dt. Übers. von Mémoires et Aventures d’un homme de qualité qui s’est retiré du monde (1728), die gerade erschienen war als Leben einer vornehmen Standesperson oder Begebenheiten des Marquis von *** welcher der Welt entsaget hat (2 Bde., 1762).





Cansteinischen Amanueuensis lat. amanuensis: Schreiber, Sekretär; hier vmtl. Anhänger von
Karl Hildebrandt Frh. v. Canstein
.




Donat Der Ausspruch »Pereant qui ante nos nostra dixerunt« (»Zum Teufel mit denen, die vor uns unsere Aussprüche getan haben!«) wird dem Grammatiker
Aelius Donatus
zugeschrieben.



Terenz
Terenz




Jean Jacques Rousseau vgl. zu Sticottis Kritik bereits zuvor HKB 222 ( II 138/3 ) und im nächsten Brief, HKB 228 ( II 156/9 ).

„la nouvelle …
Sticotti, Alzaide; tragédie
, S. 71



Voltaire
Voltaire


Littleton ebd. S. 73–78;
Lord George Lyttelton




Er entschuldigt ebd. S. 73




Thorus Lat. torus: Bett.








HE. Beaumont Perücken Magazin
Marchand, lehrreiches Perüquen-Magazin






Provenienz
Druck ZH nach den unpublizierten Druckbogen von 1940. Original verschollen. Letzter bekannter Aufbewahrungsort: Staats- und Universitätsbibliothek Königsberg, Msc. 2552 [Roths Hamanniana], I 2 (81).

Bisherige Drucke
Friedrich Roth (Hg.): Hamann’s Schriften. 8 Bde. Berlin, Leipzig 1821–1843, III 146–153.
ZH II 149–155, Nr. 227.

Zusätze ZH
HKB 227 (150/31): Lindner dazu:
adde Lehrer uti Paulus Eph. 2. – Dist. tempora.
HKB 227 (151/2): Lindner dazu:
Von Menschen gilt abwendig machen hoc in praecepto Luth.
HKB 227 (152/29): Lindner dazu:
nicht sagen ob Rachsucht vielleicht Spleen und Humor.
HKB 227 (154/9): Lindner dazu:
Der Mann ist nicht Gelehrter, sondern homme sensé.
HKB 227 (155/23): Lindner dazu:
großer Geist o Pan! humor Spleen Elender Mann! der seinen
Vorgänger wissend genießt und sich versteckt und nachher
nichts davon hat.
S. 494 / 3

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Textkritische Anmerkungen
150/19 Flecken
Geändert nach Druckbogen 1940; ZH: Flekken
154/37 dévergordée
Korrekturvorschlag ZH 2. Aufl. (1988): dévergondée