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Johann Georg Hamann → Johann Christoph Hamann (Vater), Maria Magdalena Hamann (Mutter), Johann Christoph Hamann (Bruder)
Ende 1754
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ZH I, 83
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Ich habe kürzlich einen sehr weitläuftigen Brief vom HE. B. aus Liebau
erhalten. Er hat ein großes Gerüste von Complimenten v. freundschaftl.
Vertraulichkeiten aufgeführt um mir eine Bitte anzubringen, die ich ihm weder
mit guten Herzen gewähren kann, noch von der er sich so viel versprechen
kann als er sich schmäuchelt. Weil er in Berlin wegen seines Gutes etwas zu
suchen hat, so ersucht er mich ihm den Namen meines dortigen guten Freundes
zu melden v eine Art von EmpfehlungsSchreiben ihm zuzuschicken, in deßen
Begleitung er ihm sein Gesuch dort behülflich zu seyn vortragen könnte. Ich
mag meine Freunde nicht gern mit meinen eignen noch weniger ohne Noth
mit fremden Angelegenheiten beschweren, insbesondere, einem andern eine
Carte blanche geben ihnen auf meine Rechnung Ungelegenheit zu machen. Er
hat mir seinen Brief mit einem Fuhrmann überschickt, der zum Postgeld ein
Stoff Wein gefordert. Ich will ihm selbst mit erster Gelegenheit antworten im
fall er sich an Ihnen schlüge werden Sie so gütig seyn ihm den Namen
meines dortigen Freundes nicht zu melden.
In Ansehung der Ohrgehänge läugne ich nicht, daß mir ein sehr großer
Gefalle geschehe selbige durch den ersten Fuhrmann besorgt zu sehen. Ich habe die
Laute, lieber Papa, nicht unter dem vortheilhaften Kauf verlangt, für den Sie
mir selbige überschickt haben; also sehen Sie meine Freyheit, mit der ich Ihnen
gegenwärtig wieder beschweren müßen als keinen Misbrauch Ihrer
Freygebigkeit an. Ich ersuche Sie herzlich darum mir hierinn keine
Unverschämtheit beyzumeßen. Es würde mir leyd thun, wenn dieser Verdacht zu einigen
Klagen in Ihrer letzten Zuschrift Anlaß gegeben hätten. Sollte Ihnen Liebste
Eltern, ihrer Kinder wegen an Ihrer Einnahme mehr als sonst gelegen seyn;
sollten Sie, Liebste Eltern, Ihrer Kinder wegen bey Ihren Ausgaben
ängstlicher geworden seyn, v denen zu Gefallen kümmerlicher v unruhiger den
Seegen des Himmels ansehen: so habe ich mir in diesem Briefe eine
unanständige Freyheit genommen Ihnen anstatt aufrichtiger Erklärungen
unverschämte Lügen zu sagen, so müsten sie uns weniger lieben, als wir es uns
überreden, so hätten wir niemals Ihre Zärtlichkeit verdient. Ich traue meinem
Bruder in diesem Stück gleiche Gesinnungen mit mir zu.
Ich freue mich in Ansehung des arabischen bald die lang erwünschte
Uebersetzung zu erhalten v. bitte mir die abgenommene Copey zugleich mit aus.
Nun meinen lieben Magister denke auch mit ehsten zu umarmen. Wie
entzückend wird es für mich seyn einen so alten redlichen Freund wiederzusehen!
Ich will ihm noch selbst ein paar Worte schreiben.
Gott gebe mir bald die angenehme Nachricht, daß Sie mir mit frischen
Kräften v Herzen wieder schreiben können. Ich schmachte selbige zu lesen v
empfehle Sie seiner liebreichen Vorsorge, so wie sich Ihrem Gebet und
väterlichen Liebe auf Zeit Lebens empfiehlt
Ihr gehorsamster Sohn.


Herzlich Geliebteste Mutter,

Ich leide bey dem neuen Kreuze, was Ihnen Gott aufgelegt hat. Er hat es
uns nicht verschwiegen, wie wir es aufnehmen und womit wir uns trösten
sollen. Wir wollen uns, liebe Mama, beyde darnach richten. Derjenige Freund,
der uns seiner in guten und bösen Tagen erinnert, deßen Liebe zu uns
eifersüchtig ist, laß er seine Freundlichkeit Ihnen auch in dieser Krankheit, mit
welcher er Sie heimsuchet, fühlen. Ich bitte und ruffe ihn um Ihre
Gesundheit an; und nenne mich nach einem kindlichen Handkuß mit der zärtlichsten
Hochachtung Dero Ihr gehorsamster Sohn.
Johann George Hamann.


Erlauben Sie mir noch auf das eilfertigste zwey Worte an meinen Bruder
anzuhängen.
Ich danke Dir mein lieber Bruder für den Anfang Deines Schreibens; es
thut mir leyd daß du durch Kopfschmerzen verhindert worden selbiges zu
Ende zu bringen. Besorge mir eine baldige Antwort von HE. Magister.
Künfftig ein mehreres. Vergiß Deine Fortsetzung nicht. Ist des seel. Rappolts
Catalog schon fertig. Du böser Mann hast mir sein Leben von D. Lilienthal
nicht mitgeschickt auch keinen Auszug deßelben. Gieb doch dem HE. M.
selbiges v HE. Trescho Abhandlung vom Genie mit. Lebe wohl. lebe wohl nach
drey v vier Umarmungen. lebe wohl grüße Deine v. meine Freunde. Jgfr
Degnerin pppp Ohmchen v Muhmchens
wahrscheinlich
Johann Christoph Berens












Stoff 1 Stof/Quart entspricht 1,145 Litern



















arabischen von
George Bassa
























Schreibens nicht überliefert




Auktionskatalog von Karl Heinrich Rappolts Bibliothek.
Theodor Christoph Lilienthal
verfasste als Nachruf auf C.H. Rappolt einen Lebenslauf desselben. Brief Nr. 26 (ZH I 72/23), Brief Nr. 43 (ZH I 108/33)





Provenienz:
Druck ZH nach den unpublizierten Druckbogen von 1940. Original verschollen. Letzter bekannter Aufbewahrungsort: Staats- und Universitätsbibliothek Königsberg, Msc. 2552 [Roths Hamanniana], I 1 (bei 16).

Bisherige Drucke:
ZH I 83–85, Nr. 32.