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Johann Georg Hamann → Johann Christoph Hamann (Vater), Maria Magdalena Hamann (Mutter)
vmtl. Ende 1754
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ZH I, 86

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Ich erwarte selbige mit ehsten; lieber Papa. Der Weg über Danzig mit der
Übersetzung wird doch nicht gar zu sehr in die Länge geschoben werden. Ich
muß hundert Dinge unterdrücken, die sich niemals so gut schreiben als reden
laßen; so gern ich das erste thue. Entschuldigen Sie meine Eilfertigkeit;
versichern Sie sich von meiner ewigen Erkenntlichkeit. So furchtsam ich bin Sie
zu beschweren; so sehr ich auch Alle die Unbeqvemlichkeiten weiß, die überhaupt
mit anderen Angelegenheiten v insbesondere für Sie verbunden sind: so sehr
verlaße ich mich gleichwol auf Ihre Liebe für Ihren Sohn v auf das gute
Vertrauen daß ich Sie ohne Noth v bey leichteren Mitteln v. andern
Umständen nicht überlästig seyn würde. Ich wünsche mir kein größer Glück als
das Ende Ihrer Tage durch meine Hülfe Ihnen noch einmal angenehm zu
machen v zu verhindern daß Sie sich Ihrer Zärtlichkeit gegen mich nicht
gereuen laßen v ich bitte v hoffe diese Gnade von Gott. Bey meiner Jugend
fordern Sie noch nichts mehr als den guten Willen v. bey der Erfahrung die Sie
von den Wegen der liebreichen Vorsehung haben, versprechen Sie sich alles
von derselben. Ich küße Ihnen mit der kindlichsten Ehrfurcht die Hände,
empfehle mich Ihrem Gebet v. väterl. Herzen als
Ihr gehorsamster Sohn.

biß an mein Ende.


Zärtlichste Mutter,

Wenn es auf meine Wünsche ankäme, wie gerne wollte ich Ihnen alles Gute
auf einmal gönnen. Ich bitte unterdeßen Gott, daß er Sie an Seel und Leib
mit allen denjenigen begnadigen wolle, was Sie zu Ihrer geistl. v leibl.
Wohlfart, v. was zu Ihrer Zufriedenheit gereichen kann. Der Sinn alles
desjenigen, was ich Ihnen wünschen v schreiben könnte, fliest aus einem kindl.
Herzen, das Ihre mütterliche Wohltaten v Zärtlichkeit ewig erkennen v nichts
als Ihnen v der Vorsehung [gnä]dig zu danken künftig lieber thun wird. Es
fehlt mir jetzt an Zeit mehr zu sagen; es ist spät v. die Gelegenheit geht
morgen in aller Früh ab. Setzen Sie Ihre bisherige Liebe Ihr treues Andenken,
in dem Sie bisher so fest eingeschloßen haben, gegen mich fort. Sie überführen
mich davon durch die Vorsorge, die Sie für meine kleine Wirtschaft tragen.
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit; v habe schon so viel Erfahrung
daß uns Hemde nöthiger öfters als Rock, Westen v. Uhr sind. Noch bin ich
zur Noth versorgt; unterdeßen lebe ich in keiner Wüste wie die Kinder Israels.
Sie wißen daß ich 5 Hemde feine nämlich, mir habe machen laßen die ich
bisher wenig getragen. Ich kann Ihnen aber meinen ganzen Etat (verzeyhen Sie
Ihren lieben Sohn Fidibus ein klein franzöisch Wörtchen) jetzt nicht aufsetzen
v behalte mir also den Gebrauch Ihrer geneigten Anerbietung künfftig vor.
Gott erhalte Sie in allem erwünschten Wohl ohne daß Sie aber so viel für
mich sorgen dürfen als Sie vielleicht jetzt thun. Ich küße Ihnen 1000 mal
dafür die Hände v ersterbe Ihr g. S.
Joh. George Ham.

Übersetzung der Schrift von
George Bassa

































Kinder Israels 2 Mo 8,2–6









Provenienz:
Druck ZH nach den unpublizierten Druckbogen von 1940. Original verschollen. Letzter bekannter Aufbewahrungsort: Staats- und Universitätsbibliothek Königsberg, Msc. 2552 [Roths Hamanniana], I 1 (45).

Bisherige Drucke:
ZH I 86–87, Nr. 34.

Textkritische Anmerkungen:
Der Brieftext wurde anhand der überlieferten Quellen (vgl. Provinienz) kritisch geprüft. Notwendige Korrekturen gegenüber dem in ZH gedruckten Text wurden vorgenommen und sind vollständig annotiert. Die in den beiden Auflagen von ZH angehängten Korrekturvorschläge werden vollständig aufgelistet, werden aber nur dann im Text realisiert, sofern diese anhand überlieferter Quellen verifiziert werden konnten.
87/14 [gnä]dig
Korrekturvorschlag ZH 1. Aufl. (1955): lies wohl [freu]dig  Korrekturvorschlag ZH 2. Aufl. (1988): [freu]dig