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Johann Georg Hamann → Johann Christoph Ruprecht
1754–1756
87 ◀ ZH I ▶ 89
ZH I, 215



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GeEhrliebtester Freund,

Ich wünsche Ihnen zu einer glückl. Nachhausekunft vieles Glück; v habe
Ihnen deswegen schon heute ein mündl. Compliment machen laßen. Das
schlimme Wetter hat mich daran gehindert Ihnen selbst aufzuwarten.
Beylagen hat Ihr Bedienter selbst bestellt, weil er sie meinen Händen nicht
anvertrauen wollte. Sie werden die Thorheiten des meinigen dafür mir
gleichfalls nicht anrechnen. Er ist unterwegs Ihnen die Zeitungen zu bringen v sich
das kleine Buch vom Schachspiel wieder auszubitten. Ueber eine artige Frau,
die uns auf Befehl des Mannes bewillkommen muß, kann man Vater v
Mutter, geschweige Wort v. Wetter vergeßen. Ich bin solchen Versuchungen
nicht ausgesetzt sondern schmäuchele mich jetzt mit der Hofnung bald eine
kleine Reise zu nach Ihnen zu thun; im fall meine unsere Taradeicke
eher von Riga kommt als ihre Equipage vom Schmidt. Nach einem
ergebensten Empfehl an Dero GeEhrteste Eltern habe die Ehre mich Dero ergebensten
Diener zu nennen. Leben Sie wohl v. schlafen Sie gesund!











Taradeicke Pferdewagen




Provenienz:
Druck ZH nach den unpublizierten Druckbogen von 1940. Original verschollen. Letzter bekannter Aufbewahrungsort: Staats- und Universitätsbibliothek Königsberg, Msc. 2552 [Roths Hamanniana], II 30.

Bisherige Drucke:
ZH I 215, Nr. 88.

Zusätze ZH:
Die Briefe [Nr. 85–102], meist kleine Zettel, stammen aus den Jahren 1754–56; einige ließen sich wohl genauer datieren und in die bisherigen einreihen, es erscheint jedoch angemessener, sie geschlossen zu bringen. Es sind meist kurze Nachrichten an Ruprecht, den jungen Pastor in Grünhof, Hamanns Nachbar.