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Johann Georg Hamann → Johann Christoph Ruprecht
1754–1756
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ZH I, 216

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S. 217



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GeEhrtester Freund,

Es ist mein Vorsatz gewesen Sie heute zu besuchen; ich bin aber gestern
darinn durch einige Geschäfte abgehalten worden, die ich von Riga aus
unvermuthet erhalten. Diese würden Ihrer gütigen Einladung wegen auch wohl
einen Aufschub leiden; aber ich befinde mich hundert Kleinigkeiten wegen nicht
im stande vor Leute mich heute sehen zu laßen. Erkundigen Sie sich durch
Ueberbringer dieses, in was für einem Staat er mich gefunden. Ich kan es
Ihnen bey meinem Barte beschwören, daß es heute nicht möglich ist an dem
Vergnügen, das mir bestimmt ist, Theil zu nehmen. In Gedanken soll es
geschehen, wenn einige derselben mich anklagen sollten, so werden mich andere
entschuldigen. Die Ihrigen werden alle von der letzten Art seyn. Ich bitte
Sie darum und füge meine ergebenste Empfehlung an Dero GeEhrteste
Eltern v. Gäste die aufrichtige Versicherung bey, daß ich mit aller Hochachtung
bin GeEhrtester Freund Dero Ihrige
Hamann.
Provenienz:
Druck ZH nach den unpublizierten Druckbogen von 1940. Original verschollen. Letzter bekannter Aufbewahrungsort: Staats- und Universitätsbibliothek Königsberg, Msc. 2552 [Roths Hamanniana], II 30.

Bisherige Drucke:
ZH I 216–217, Nr. 92.

Zusätze ZH:
Die Briefe [Nr. 85–102], meist kleine Zettel, stammen aus den Jahren 1754–56; einige ließen sich wohl genauer datieren und in die bisherigen einreihen, es erscheint jedoch angemessener, sie geschlossen zu bringen. Es sind meist kurze Nachrichten an Ruprecht, den jungen Pastor in Grünhof, Hamanns Nachbar.