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Johann Georg Hamann → Johann Christoph Ruprecht
1754–1756
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ZH I, 218
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GeEhrtester Freund,

Ich schicke Ihnen den versprochenen Roman des Marivaux, den ich jetzt zu
Ende gebracht v wünsche Ihnen viel Vergnügen bey Lesung deßelben. Des
Franzosen Schreibart ist schwer zu übersetzen; v ich traue dieser Schrift
ungleich mehr Schönheiten in der Grundsprache zu. Seine Marianne scheint mir
aber doch biß auf die beyden letzten Bücher beßer zu seyn. Ich möchte Ihr
Urtheil so bald wie mögl darüber hören, weil ich das Buch gern wiedergeben
wollte. Sie werden daher fleißig seyn. Mein gestriger Spatziergang ist durch
die schlechte Witterung v. durch beyliegendes Buch ausgeblieben. Vielleicht
sprechen wir uns heute. Nach Anwünschung eines guten Morgens v. meines
ergebensten Compliments bin der Ihrige.
Hamann.
Provenienz:
Druck ZH nach den unpublizierten Druckbogen von 1940. Original verschollen. Letzter bekannter Aufbewahrungsort: Staats- und Universitätsbibliothek Königsberg, Msc. 2552 [Roths Hamanniana], II 30.

Bisherige Drucke:
ZH I 218, Nr. 95.

Zusätze ZH:
Die Briefe [Nr. 85–102], meist kleine Zettel, stammen aus den Jahren 1754–56; einige ließen sich wohl genauer datieren und in die bisherigen einreihen, es erscheint jedoch angemessener, sie geschlossen zu bringen. Es sind meist kurze Nachrichten an Ruprecht, den jungen Pastor in Grünhof, Hamanns Nachbar.