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Johann Georg Hamann → Johann Christoph Ruprecht
1754–1756
96 ◀ ZH I ▶ 98
ZH I, 219


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GeEhrtester Freund,

Ein kleiner Schauder, den ich der kühlen Witterung zuschreibe, macht mich
übel aufgeräumt auszugehen, sonst hätte ich Ihnen ein kleines
peripathetisches Gespräch heute zumuthen wollen. Ich erinnere Sie an Ihr Versprechen
in Ansehung des glückl. Bauren v wo es mögl. des Grammont; weil ich
Gelegenheit vermuthe morgen beyde fortschicken zu können. Ist es Ihnen nicht
ungelegen; so möchte ich mir wohl Moldenhawers Alterthümer ausbitten.
Ich werde heute mit denjenigen von meinen Büchern fertig werden, die ich
ungebunden zu lesen mir vorgenommen. Morgen sehen wir uns vielleicht bey
gutem Wege v. Wetter. Laßen Sie sich Ihre Abendmahlzeit gut schmecken v.
empfehlen Sie mich Dero GeEhrtesten Eltern. Leben Sie wohl. Die Mühe
in Ansehung meiner Gedanken möchte nicht lohnen; ich habe den Anfang
dazu gemacht, werde aber nicht mit fertig werden können. Wollen Sie selbige
lieber wieder haben?

Auf der Rückseite:
Vergeben Sie noch einen Einfall; mir nämlich den Stockhausen biß
morgen früh auszubitten.
Provenienz:
Druck ZH nach den unpublizierten Druckbogen von 1940. Original verschollen. Letzter bekannter Aufbewahrungsort: Staats- und Universitätsbibliothek Königsberg, Msc. 2552 [Roths Hamanniana], II 30.

Bisherige Drucke:
ZH I 219–219, Nr. 97.

Zusätze ZH:
Die Briefe [Nr. 85–102], meist kleine Zettel, stammen aus den Jahren 1754–56; einige ließen sich wohl genauer datieren und in die bisherigen einreihen, es erscheint jedoch angemessener, sie geschlossen zu bringen. Es sind meist kurze Nachrichten an Ruprecht, den jungen Pastor in Grünhof, Hamanns Nachbar.