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HöchstzuEhrender Freund,

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Meinen herzlichen Dank für überschickte Sachen zum voraus, die alle nach

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Wunsch angekommen. Es thut mir leyd, daß Ihre Mühe weiter gegangen als

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meine Zumuthung gewesen. Die Sorge für meine Bücher hatte der

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Collaborator
so wohl Ihrent- als meinetwegen auf sich nehmen sollen. Er redet von

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seinem Briefe
nicht überliefert
einem Aufsatz in seinem Briefe, der vielleicht vergeßen worden von ihm

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beygelegt zu werden; ich habe wenigstens nichts finden können. Alles was HE.

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Berens sich gefallen läst, ist mir lieb. Die Bücherschranken habe mit
seinem

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Gelde
bezahlt und sind zur Stube
aptirt.
Was von Handelssachen unter

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meinen Schriften ist, kann ich alles entbehren. Ich verlange biß
dato
noch

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Qvartier
Verwahrung der Bücher
nichts herüber und bitte also um nichts als frey Qvartier. Meine jetzige Sorge

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betrift bloß wie ich den
Pentateuchum
bald zu Ende bringe und in die kleinen

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andere Buch
nicht ermittelt
Propheten komme. Der von Böhmischbreda und das andere Buch gehört mir.

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Der Name des HE.
Past. Gericke
steht deswegen darauf, weil sein

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Buchbinder es hat heften müßen, und er diese beyde Schriften unter den seinigen

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für mich besorgt hat.
Anti-machiavel
und
Herault
gehören dem HE.

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Christoph Berens, der sich jetzt in St Petersburg aufhalten soll; dürfen aber nicht

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ausgeliefert werden, weil er gleichfalls einige von meinen Büchern zum

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Gegentausch mit sich führt.

S. 25
Ihr Brief
nicht überliefert
Ihr Brief ist nicht zur Hand, daß ich denselben genauer beantworten kann;

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hoffe gleichwol nichts auf Dero gütige Anfragen, GeEhrtester Freund!

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vergeßen zu haben. Gestern ist ein Tag des Wohllebens bey uns gewesen, von

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dem uns allen noch der Kopf brennt. Der Koch und der
Conditor
haben uns

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Braut
N.N.
Nuppenau
weidlich gespeiset, und die Braut nebst ihren Schwestern hat uns allen Freude

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windig
gewandt
gemacht. Ich habe mich ganz windig und artig aufgeführt, biß die Musikanten

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kamen; da war ich klüger als mein alter Vater, der sich im Bett und außer

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Bett schlecht behelfen müßen biß an den hellen lichten Morgen, unterdeßen

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ich wie eine satte Ratze auf unserer alten Hausjungfer Kammer, die ich auf

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delogirt
verdrängte
2 Nächte
delogirt,
nach Herzenslust geschlafen, um munter aufstehen zu

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können, so bald mein Vater
erst
zu schlummern anfangen würde.

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Weil mein Bruder eine Arbeit aufs Fest hat; so wollte nicht gern daß er

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meinen Brief
vgl.
HKB 182
meinen Brief eher als nach verrichter Arbeit lesen möchte; daher bitte

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denselben nicht eher einzuhändigen. Ist es erster oder dritter Pfingsttag, weiß

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nicht, so wüste ist mir der
Sensus communis
der
Philologie.
Eben daher habe

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auch lieber seinen Brief zum Einschluß des Ihrigen machen wollen als wie

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gewöhnlich.

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Herz und Lust Ihnen wieder zu dienen und gefällig zu seyn, davon ist wohl

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nicht Frage bey mir. Daß mir aber die verwünschte Gelegenheit dazu fehlt,

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hätte ich gesagt, dafür kann ich nicht.

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Ein Pack mit Schriften werden Sie jetzt schon erhalten haben. Ob gut

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Warburton
unklar, welcher Titel von
William Warburton
gewählt, weiß nicht. Warburton hat mir in viel Dingen wenig Genüge gethan;

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ich habe aber geglaubt, daß er in Ihre Bibliothek gehöre. Die Auslegung des

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Elisäischen Buches
Verg.
Aen.
, 4. Buch
Virgils Georgica
Verg.
georg.
Elisäischen Buches aus der Eneide gehört mit zu
Virgils Georgica.
Ich habe

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diese Ausgabe bloß ansehen können. Sollten Sie Michaelis Einl. und

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Beurtheil. schon haben; so sind sie für meinen Bruder. Das erste Buch würde

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sehr vollkommen werden, wenn daßelbe durch viele solche Abhandlungen als

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Maschens seine
rectifici
rt würde.

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Vocab.
Vocabularien
Fascic.
Faszikel, ungebundenes Buch
HE Heling
nicht ermittelt
2
Vocab.
v 2
Fascic.
sind zur
Registratur
gebracht. HE Heling soll selbige

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mit bekommen; auf deßen Abreise Sie mehr bestellen könnten, wenn Sie zeitig

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Relata refero
dt. Ich berichte über Gehörtes.
kämen.
Relata refero. Wagner.

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Letzter Brief von der GeEhrten Mama ist älter hier geworden als es von

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mir gewöhnt. Entschuldigen Sie mich deswegen und machen Sie keine Folge

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aufs künftige daraus. Sie hat uns neul. besucht, nach der Zeit habe nichts von

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ihr gehört, weil sie mehrentheils sich auf dem Lande aufhält. Wegen der

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Stricknadeln habe ausdrücklich gebeten beym Auspacken auf die Papiere Acht zu

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geben.

S. 26
Ich freue mich herzlich, GeEhrtester Freund, daß ich wegen meiner Sachen

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und der damit abhängenden Angelegenheit ins reine gekommen; damit ich von

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allen Verwickelungen so frey als möglich und nöthig seyn kann. Ein kluger

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Gebrauch des Gegenwärtigen überhebt uns der Sorge für das zukünftige.

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Briefwechsel und Bekanntschaften, die zerstreuen, würden mir die jetzige

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Gelegenheit zu erndten beschneiden. Ich sehe die Felder reif und weiß, wenn

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andere noch ich weiß nicht wie viel Monathe zur Arbeitszeit zählen.

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Ein fröhlich Fest. Mein Vater grüßet Sie und Ihre liebe Frau und Hälfte

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aufs herzlichste. Ich umarme Sie beyderseits und bin mit der ehrlichsten

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Hochachtung und Ergebenheit Ihr verpflichtester Freund und Diener.

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Hamann.


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HErr Bassa
George Bassa
HErr
Bassa
kann warten, biß ich mich werde mit einer jungen Frau, die

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meine
Cousine
und schon recht artig nach meinem Sinne ist, ein wenig werde

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ausbefreuet haben. Ich weiß, daß er Wunder meynt, wie zierlich ich ihm für

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seine Freundschaftspflicht in Besorgung meiner Sachen danken soll. Grüßen

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Sie ihn vor der Hand herzl.

Provenienz

Druck ZH nach den unpublizierten Druckbogen von 1940. Original verschollen. Letzter bekannter Aufbewahrungsort: Staats- und Universitätsbibliothek Königsberg, Msc. 2552 [Roths Hamanniana], I 2 (49).

Bisherige Drucke

Friedrich Roth (Hg.): Hamann’s Schriften. 8 Bde. Berlin, Leipzig 1821–1843, III 24 f.

ZH II 24–26, Nr. 183.