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Johann Georg Hamann → Johann Christoph Hamann (Vater), Maria Magdalena Hamann (Mutter)
Riga, Ende Mai oder Anfang Juni 1753
18 ◀ ZH I ▶ 20
ZH I, 52




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nicht einmal auf das Land reisen laßen. Da aber meine äußerl. Gesundheit
ziemlich wiederhergestellt war v die Neigung meines jungen Herrn so wohl als
das gerechte Mitleiden, was ich mit allen seinen Fehlern haben muste mich
alles übrige erträglich machten; die Ehre, die man übrigens darinn findt ohne
Erkenntlichkeit anderer auch bey der grösten Unbilligkeit ihrer Vernunft v.
Aufführung seine Pflichten zu thun, erhielte mich. Die Land Luft v die
Bibliothek, die ich jetzt zu brauchen hofte waren auch in meinen Augen Vortheile, die
mich zu derjenigen Treue in meinem Amt, die ich mich beständig zu bezeigen
befließen habe, aufmunterten.
Wir kamen also nach Kegeln nach einigen Kleinigkeiten, mit denen Sie mich
zu demüthigen geglaubt hatte. Sie wollte mich durch einen unvermutheten
Abschied ein rechtes Schrecken einjagen; ich wuste denselben schon v. wollte
sie ihre Rolle ausspielen laßen.
Den 14. h. am Freytage, an dem die Frau B. fastet, bekam ich gleich nach
dem Eßen folgenden eigenhändigen Brief durch die HausJgfr; nachdem der
junge Herr wie eine Leiche eine Viertelstunde vorher herunter gekommen war;
ich hatte unten gespeist.

Herr Hamann,

Da die Selben sich gahr nicht bey Kinder von Condicion zur information
schicken, noch mir die schlechte Briefe gefallen wor in Sie Meinen Sohn so auf
eine gemeine und niederträchtige Ahrt abmahlen vielleicht kennen Sie nicht
anders Judiciren als nach Ihrem Eugenem Pohtré, ich Sehe Ihnen auch nicht
anders an als eine Seuhle mit vielen Büchern umbhangen welches noch gahr
nicht einen Geschickten HoffMeister aus macht, und mir auch schreiben Ihre
Freuheit und GemüthsRuhe zu lieb haben sie auf eine Anzahl von Jahre zu
verkauffen, ich will weder Ihre so vermeinte Geschicklichkeit noch Ihre Jahre
verkauft in meinem Hause sehen, ich verlange Ihnen gahr nicht bey meinen
Kindern machen Sie sich fertig Monntag von hier zu reußen.
B H V Budberg.


5 Mohnat sind Sie hier gewest 18 Thl habe an HE. Pastor Blanck bezahlt,
kommt Ihnen also noch 12 zu so hier beygehen.
Ich furchte mich, selbst oben zu gehen; es fiel mir ein diese 12 Thrl. zum
Inspector zu schicken, der auch fortkommt v. ein alter Hoffmann ist, der viel
Erfahrung, Verstand v Lebens Art besitzt. Er wog sie ab v ließ mir sagen, daß
3 unwichtig wären, der 1 um 1 Mark, der 2te um 2 der 3te um 3 Mark. Ich
schrieb daher nichts als folgende Qvittung.
Daß von Ew. Gnaden an Reisekosten von Königsberg nach Riga zu
kommen 18; und für einen halbjährigen Unterricht weniger 3 Wochen nebst
einigen andern HofDiensten 9 wichtige und 3 unwichtige Thaler erhalten,
bescheinige hiemit. Da aber die Reisekosten nicht zum Gehalt gehören und mir
80 Thrl. das Jahr ausgemacht sind, so werden mir 40 zukommen. Es thut
mir leid in einem so vornehmen Hause eine so…. Generosité zu finden. Ich
bin mit dem schuldigen Dank für das Empfangene und in guter Erwartung
desjenigen, was mir noch zukommt Ew. Gnaden
gehorsamer Diener.


Man hatte den jungen Baron sogleich oben ruffen laßen, als ich meinen
Lauff Zedul bekam. Die Frau Baronin war in die Badstube den Abend
gegangen; ich wuste nicht, warum mein junger Herr nicht unten kam. Ich lies
ihn daher, als sie sich badete, herunter ruffen. Er kam mit weinenden Augen
zu mir, und entschuldigte sich, daß er nicht schuld wäre, er hätte einige mal die
Frau Baronin gebeten ihn unten zu laßen; sie hätte es ihm aber verboten
mich ferner zu sehen. Ich hatte ihm deswegen noch nicht einmal zu Rede
gestellt. Er fiel mich mit Thränen um Hals, v seine Treuherzigkeit machte mich
auch weich. Ich hielte ihm ungefehr folgende Parentation: So sehr ich Ihnen,
lieber Baron, für die Zärtlichkeit danke, die Sie über meinen Abschied
bezeigen; so wenig kann ich Ihnen die gar zu viele Thränen übersehen. Sie scheinen
damit ihrer gnädigen Mutter einen Vorwurf zu machen, der mit derjenigen
Achtsamkeit nicht bestehen kann, die Sie für selbige haben müßen. Ich habe
Ihnen noch heute die Verbindlichkeit des vierten Gebots erklärt. (Ich hatte
mir, ich weiß nicht aus welcher Ahndung, die Zeit genommen eine
Wiederholung der gantzen χstl. Glaubens- v. Sittenlehre nach der letzten Abtheilung
in Saurins Catechismus mit ihm vorzunehmen; weil er überdem eine Stunde
früher wie sonst aufgestanden war. Ich war im stande diese Wiederholung
mehrentheils selbst auf eine Art zu thun, die seine Aufmerksamkeit auf selbige
zu ziehen schien.) Die Frau Baronin hat den Rath vernünftiger Leute gefolgt,
wie ich gehört habe. Sie hat Ihre Entschlüßung an einem Tage ausgeführt, der
ihr und dem lieben Gott heilig seyn soll (Sie fastet alle Freytage). Sie wird die
Pflichten der Eltern aus dem Catechismus wißen, v Liebe genung für ihre
Kinder haben über jede Ungerechtigkeit zu zittern, die Sie ihrem Nächsten
thut. Ich habe Ihnen noch heute Gott als einen starken v. eifrigen Gott aus
den zehn Geboten kennen lehren, der die Mißethaten der Eltern an den
Kindern heimsuchet; v Ihnen zugleich aus dieser Drohung es als eine
Schuldigkeit hergeleitet für unsere ihre Eltern zu beten, daß sie sich an Gott nicht
versündigen sollen, daß unsere Eltern nicht in Versuchung mögen geführet
werden, daß Gott Ihnen Ihre Vergehungen erkennen v. bereuen laßen wolle.
Wenn Sie je glauben, daß die Fr. Baronin mir zu viel thut, wenn sie nach
ihrer Einsicht dies dafür halten; so danken Sie Gott, daß es nicht einem
andern widerfahren ist, der von allen Freunden v. Hülfs Mitteln entblößt wäre.
Sie würde sich sonst ungleich mehr versündigt haben. Laßen Sie sich, liebster
Baron, nicht mit meiner Person zugleich alles dasjenige Gute verdächtig
machen, was ich Ihnen gesagt habe pp. Ich wendete diese Viertelstunde so gut
mit ihm an als ich konnte v. lies ihm noch alle die Zärtlichkeit v. Redlichkeit
sehen, die ich für seine Erziehung gehabt hatte. Er drückte mich mit den
häufigsten Thränen aufs stärkste an sich. Die Frau B. die in der Badstube war, die
gerade über meine Schule ist, bekam zu hören, daß ihr Sohn bey mir wäre.
Sie ließ ihn daher so gleich zu sich ruffen. Sie hatte ihn von neuem verboten
mich zu sehen. Er kam durch den Garten unvermuthet an das Fenster, klopfte
an v. wünschte mir mit einer Wehmut die ich für aufrichtig halten kann, eine
gute Nacht. Den Sonntag war er im Garten, da ich von dem Herrn Pastor
kam; die Gegenwart der beyden Fräulein v. einige Auftritte, die ein neuer
rußischer Bediente mit der Fr. B. Kammermädchen angab, erlaubten mir nicht
mit ihm sonderlich ernsthaft zu reden. Den Sonnabend vorher hatte er mir
ein paar Briefe aus seinem Gefängniße geschrieben, davon ich den einen
beantwortete. Monntags sollte ich abreisen; ich schickte meinen vorigen
Bedienten oben um mich bey der Fr. B. zum Abschied anzumelden, gieng ihm aber
auf dem Fuße nach, weil ich noch meinen Baron zu sprechen hoffte. Ich kam
in das Vorhaus, wo sich ein musikalischer Landläufer mit Fingern v. dem
Munde in Gegenwart der Fräulein v. Hoff Mägde hören lies; der Bediente
brachte mir die Antwort, daß sich die Fr. B. Geschäfte wegen entschuldigen v.
mir alles Gute anwünschen ließ. Ich machte der Fr. meinen Bückling v. gab
dem B. einen Wink, der oben in der Stube stand; er kam zu mir gelauffen v
ich umarmte ihn. Wie ich schon im Wagen saß, oder in derjenigen HalbChaise,
in der ich war ausgehohlt worden, kam er noch zu mir gelauffen v viel mir
einige mal um den Hals.
Herr Pastor hat mir sein Wagenhaus zum Auffenthalt angebothen; ich bin
ihm einige Achtsamkeiten schuldig. Er hat mir die Anerbiethung gethan mich
mit seinen Wagen v. Pferden herausholen zu laßen, wenn es mir in Riga
nicht gefiel. Herr Belger ist so gut gewesen mich aufzunehmen. Seine
Prophezeyung, die er mir gleich bey meiner Ankunft that, der kleine Verweis, den er
dem HE. Pastor Blank gegeben, da er ihm erzählte, daß er mich für die Fr. B.
geworben habe, sind theils erfüllt, theils gerechtfertigt worden.
Ich bin bey dem HE. Regierungs Rath von Kampenhausen gewesen; ich
habe ihm meine Noth geklagt. Er ist erstaunt über einige Stückchen die ich ihm
von der Erziehung der Kinder v. der Fr. B. Aufführung gegen dieselbe erzählt
habe. Sie hat einen rußischen Bedienten angenommen der seinen Dienst bey
vornehmen Leuten vollkommen versteht, aber weder für der Fr. B. Haus noch
für den jungen B. ist. Seine Gegenwart würde mir unzählichen Verdrus
gemacht haben, wenn ich länger geblieben wäre. Dieser Kerl, der die besten Tage
von der Welt bey uns hat, hat sich schon einige mal die Haare ausgerauft, weil
er nicht dasjenige hier zu thun bekommt, was er bey andern vornehmen
Herrschaften zu thun gehabt hat. Es ist ein Kerl, dem man seine gantze Wirthschaft
anvertrauen kann, der die Stelle einer Haushälterin bey einem vornehmen
Herrn zu vertreten im stande ist, der über andere Bedienten Zucht zu halten
weiß, der seinen Herrn durch Einfälle aufzuwecken weis, wenn er verdrüßlich
ist, v der zu Schelmstücken v. ernsthaften Geschäften Verstand und Erfahrung
besitzt. Er versteht kein deutsch; er hat mir in 8 Tagen eine Hand schreiben
gelernt, über die man erstaunen mus, v ich hätte mir seine Dienstfertigkeit mir
rußisch zu lernen zu Nutz gemacht, wenn ich länger da geblieben wäre. In
dieser Absicht für den jungen Herrn ist er auch von der Fr. B. angenommen
worden. Bey dem Alter deßelben v. bey den Diensten ist es der die er dem
Baron thun kann, ist er ist ihm mehr nachtheilich als vortheilhaft. Den letzten
Sonntag grief er die Kammermagd der Fr. B. in Gegenwart der beiden
Fräulein oben v. unten; v. ich habe Ursache für die älteste ein Ärgernis der Welt zu
versprechen. Deßelben Abends badet er sich in Gegenwart der Fr. Baronin v
ihrer gantzen Familie mit allen Vortheilen dieser Kunst, auf dem Bauch v dem
Rücken. Dergl. Sitten sind nicht vornehm v. was will ich von der Aufführung
in diesem Hause sagen. Ich habe zu thun genung gehabt meinen jungen
Baron ein wenig artiger bey fremden Leuten, insbesondere gegen seine
Geschwister v bisweilen auch gegen seine Mutter selbst zu machen. Hundert Dinge
könnte ich Ihnen erzählen v Sie haben Ursache für mein jetziges Schicksal
Gott zu danken. Kurz die Frau Baronin scheint in einem Hofmeister die
Eigenschaften eines Kammerdieners v Hoffnarren gesucht zu haben.
Der Herr von Kampenhausen steht mit ihr nicht gar zu gut, ein Herr der
ihr unendlich zu schmeicheln weiß um sie in einigen Stücken gelehrig
vernünftig pp zu machen. Er hält es für sie am besten, gar keinen Hofmeister zu halten
v. giebt ihre Kinder für verloren aus. Auf meinen jungen Herren will er selbst
mehr Verdacht werfen, als ich mit guten Gewißen gegen ihn haben kann.
Wenn er boshaft wenn er gegen mich hätte niederträchtig seyn wollen, warum
hat er nichts über die Ohrfeigen geklagt, warum ist ihm mein Abschied so nahe
gegangen? Alle seine Fehler sind durch seine Liebe zu mich erträglich für mich
geworden. Alle seine Fehler sind mehr Absichten v Folgen einer unverantwortl.
Erziehung, in der er aufgewachsen ist pp.
Ohne demjenigen, was sie mir an Geld entzogen hat, bin ich von in den
vornehmsten Häusern von ihr verläumdet worden. Warum hat sie niemals
das Herz gehabt mir ins Gesicht Vorwürfe deswegen zu machen? Sie hat sich
der Angeber, sie hat sich derjenigen Leute selbst geschämt, die sie sich auf die
niederträchtigste Art zu Ohrenbläsern v Zeitungsträgern v Aufsehern gehalten
hat. Ein Junge der mit der Fr. Baronin Undankbarkeit seine eigene zu
beschönigen gedenkt, eine Magd oder HausJgfr pp.
Der Herr v. K. ihr eigener Schwager hat mir gleichsam die Erlaubnis
gegeben sie zu verklagen v zu einer andern Condition Hoffnung gemacht; es ist
mir noch eine vorgeschlagen worden; v in der Angst habe ich an HE. Lindner
in Mietau geschrieben um auch für mich zu sorgen. Es fehlt hier an
Gelegenheiten nicht wieder besetzt zu werden; v Sie können deshalb unbekümmert
seyn. Eine kleine Unordnung in meiner Wirthschaft ist zu vermuthen, da ich
anstatt 40 nur 12 Thrl. bekommen habe die leicht wieder ersetzt werden
können.
Eben jetzt, da ich mein Hexen Mährchen von 2 Bogen zu Ende gebracht habe,
komt der liebe Herr Karstens, ich fuhr fort v habe ihm einen halben Bogen
gegeben an seinen Herrn Bruder zu schreiben. Er hat einen etwas ähnlichen
Zufall mit seinem HErrn gehabt. Herr Karstens will mich zu sich nehmen. Ich
will daher nichts mehr thun als meinen lieben Vater v meine liebe Mutter
aufs herzlichste, aufs kindlichste, aufs nachdrücklichste aufs allerbeste zu bitten
sich über dieser Kleinigkeit kein grau Haar wachsen zu laßen. Sie verdienet
nicht die geringste Sorgen; es thut mir um alle die ernsthaften Betrachtungen
nicht leid, die ich über diesen Zufall gemacht habe. Meine liebe Eltern werden
aber dieselbe füglich ersparen können. Wer weiß die Wege Gottes wenn ihn
Moses nur von hinten zu sehen bekomt, wozu wollen wir seiner Vorsehung
ins Gesicht sehen. Ich habe mich von allen übrigen Personen bey meinem
Posten so weit als möglich zurückzuziehen gesucht; v alle Pflichten nach
meinen Kräften, alle meine Lebens Geister auf meinen lieben Baron insonderheit
angestrengt. Wenn ich mir das geringste vorzuwerfen hätte; würde ich das
Herz gehabt haben von der Frau B. Abschied zu nehmen? Wozu hat sie sich
deßelben geschämt. Ihr Gewißen giebt ihr zum Trotz Einsichten und
Empfindungen, mit denen ihr aber nicht gedient ist.
Ein Mensch, das sich zu keiner Pflicht als zu dem Geld versteht
Das schämt sich ewig nicht.
Dies ist das Ende vom Lied. Ich danke Ihnen 1000 mal für überschickte
Sachen. Das eincassirte Geld, wenn des Herrn Pastors dazu kommen wird,
ist Ihnen gewiß. Der letztere verlangt Gellerts schwedische Gräfin v die
Philosophische Gedanken mit der Beyschrift: Dieser Fisch ist nicht für alle in blau
Pap. planiert noch dazu. Das erste könnte ein frantzoisch Bändchen nach HE.
Pastors Art kriegen; wenn man Pygmalion v Elise oder nach des HE. M.
Geschmack etwas dazu nähme.
Wie habe ich meiner Freunde Briefe gelesen, da ich nach Riga kam? Ich
werde selbige mit nächsten beantworten. Danken Sie Ihnen doch, lieber Papa,
für den guten Credit, in dem ich bey Ihnen noch stehe. Den HE. M. thut es
mir leid mit meinem unzeitigen Vorschlag Materie zu denken gegeben zu
haben. Ein anderer Hofmeister ist wieder Vermuthen unterwegens. Ich will
ihm selbst ehstens schreiben.
Meine liebe Mutter wird hunderterley Verdacht wieder mich schöpfen; laß
Sie sich doch begnügen mit der Ehre einen ziemlich ehrl. Sohn zu haben, um
viel zu lernen um in der Welt weiter als andere zu kommen, um beßer als
andere zu seyn, muß man sich viel gefallen laßen. Herr Pastor Blank wird
ehstens schreiben. Ich empfehle Sie herzlich Geliebteste Eltern, dem lieben
Gott v mich Ihrem herzlichen Gebet. Ich bin gut aufgehoben, habe mich
ziemlich wieder getröstet, verspreche mir gerechtfertigt zu werden pp. Grüßen Sie
aufs Beste alle gute Freunde v. Freundinnen. Mein Nachfolger heist
Sehrwold, ist ein Thüringer oder was mehr Ehre macht, ein Sachse. Ein
Philosoph, und wie er selbst sagt, ein Epikuräer; gegen 40 Jahre. Wir gefielen uns
in der ersten Viertelstunde, da wir uns einander sahen. Ich gieng ihn besuchen
um ihn bloß kennen zu lernen. Ich hatte mir vorgenommen mich gar nicht
auszulaßen sondern ihm meinen Baron zu empfehlen. Mein Anschlag
scheiterte, weil ich einen sehr gesetzten Menschen an ihn fand, v der nach meinem
Geschmack war. Er ist auf einer eben so grausamen Art aus seiner Condition
gekommen; besitzt im frantzoischen viele Stärke, einige Ähnligkeit vom Herrn
Link in seinem äußerl. v auch Umgange, nur daß seine Züge im ersten Stück
nicht so stark sind, Herr Link ist mit mehr Fleiß v. Kunst ausgearbeitet. Im
Umgange mehr Freundlichkeit v. einen nicht so fließenden Vortrag. Leben Sie
wohl. Ich werde vielleicht einen Hirten Brief für die meinigen, mit denen ich
mich gegen die Fr. B. versündigt habe, zu erwarten haben. Nicht zu viel
Mistrauen, auch wenn ich bitten darf, nicht gar zu viel Antheil; Sie müßen mich
jetzt schon dem lieben Gott v mir selbst überlaßen. Der erste wird ihre Stelle
vertreten, und ich will der Ueberlegung v. dem Gewißen folgen. Ich küße Ihnen
1000 mal die Hände v bin Ihr Zeitlebens gehorsamer Sohn.
Hamann.


Meinen Bruder v. HE. M. grüßen Sie aufs zärtlichste von mir. Herrn
Lauson danke für seine Gedichte.









Kegeln heute Ķieģeļmuiža (Bezirk Kocēnu), Lettland [57° 28' N, 25° 13' O]


vgl. auch
Hamann, Gedanken über meinen Lebenslauf
, LS S. 326/16


greg. 25.5.1753






Condicion von Stande



Pohtré Portrait
Judiciren urteilen














unwichtig unterhalb des offiziellen Münzgewichts




















Parentation Ermahnung











































































































vgl. auch
Hamann, Gedanken über meinen Lebenslauf
, LS S. 326/32


Mietau Mitau, heute Jelgava, Lettland [56° 39′ N, 23° 43′ O] (40 km südwestlich von Riga)























In der Neuauflage von
Gellert, Fabeln und Erzählungen
von 1749: 2. Tl, S. 22, Wortlaut: »Wiewohl ein Mann, der sich zu keiner Pflicht – – Als für das Geld versteht, der schämt sich ewig nicht.«






planiert geheftet

















Sehrwold nicht ermittelt









Link nicht ermittelt












Provenienz:
Unvollständig überliefert. Druck ZH nach den unpublizierten Druckbogen von 1940. Original verschollen. Letzter bekannter Aufbewahrungsort: Staats- und Universitätsbibliothek Königsberg, Msc. 2552 [Roths Hamanniana], I 1 (7).

Bisherige Drucke:
Friedrich Roth (Hg.): Hamann’s Schriften. 8 Bde. Berlin, Leipzig 1821–1843, I 254–257.
Karl Hermann Gildemeister (Hg.): Johann Georg Hamann’s, des Magus im Norden, Leben und Schriften. 6 Bde. Gotha 1857–1868, I 46–49.
ZH I 52–58, Nr. 19.